Zur Vorsorgeuntersuchung 100 km nach Linz

Heute kam ein Patient türkischer Muttersprache zu mir. Er hatte ein Vorsorge-Untersuchungsformular in der Hand, ausgefüllt auf der GKK in Linz am 30.10.14. Ich war etwas erstaunt, denn wir sind in bestem Einvernehmen, und ich fragte ihn, wie er denn nach Linz komme wegen einer VU, weil ja an sich dies der Hausarzt (also in dem Fall ich) eigentlich eh macht. Normalerweise.

eigentlich auch vor der Haustür…

Er sagte, er hätte ein Einladungsschreiben von der GKK bekommen, dass er zur VU nach Linz solle, dort sei er auch von einem türkisch sprechenden Arzt untersucht worden (was ja an sich nicht unklug ist). Das VU Formular war aber genauso 0815 wie meines – also irgendwie eine besondere darüber hinausgehende Aussagekraft hatte es keine – wenn man bedenkt, dass mein Patient 100 Kilometer zu einer Untersuchung gefahren ist, die er vor der Haustür auch hätte haben können. Und das Honorar? Das ist natürlich gleich in Linz geblieben, versteht sich.

Gesundheitsdienstanbieter

Ist das nun das, was man sich unter „Primary Health Care“ künftig vorzustellen hat? Zur Vorsorgeuntersuchung in die Landeshauptstadt?
Ich meine, ich bekam ja auch unlängst einen Arztbrief aus dem Krankenhaus, darin wurde bemerkt, dass man sich für die 89jährige Patientin aufgrund des hohen Alter für die „best supportive care“ entschieden und sie nach Hause entlassen hat. Was wohl bedeutet: Hauskrankenpflege. Betreuung durch die multidisziplinären GDAs, zu denen auch ich mich zähle.
Ach so, ihr wisst ja wieder nicht, was GDAs sind?
Gesundheitsdienstanbieter.(Das ist Hauptverbands-Sprech.)
Also GDAs arbeiten in PHCs und erbringen dort bsc.

Alles klar?
(Freunde, ich geh jetzt auf ein Achterl Serotonin. Sonniger Südhang.)

Dr. Ursula Hammel ist Allgemeinmedizinerin in Schärding

1 Antwort
  1. Dr.Rosmarie Rauch
    Dr.Rosmarie Rauch says:

    ist mir bei ausländischen Patienten auch schon oft passiert, die halten das „Einladungsschreiben“ für eine Vorladung und nehmen sich extra Urlaub dafür. Das Endgespräch erfolgt dabei telefonisch :))) Die Krankenkasse lässt ihre Chefärzte diese VUs durchführen, weil sie dann nicht unter „Verwaltung“ sondern unter Dienstleistung fallen. Sämtliches Umfeld des Chefarztes wie Gebäude, Infrastruktur und Personal sscheint so nicht unter verwaltung auf. Nur so kann eine 4% Verwaltungsquote künstlich erzeugt werden

    Antworten

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