Was in Deutschland anders ist

Die Arbeitszeiten. In Österreich begannen wir einen Dienst um 7 Uhr, dieser ging dann anfangs bis 17 Uhr am nächsten Tag (also bis 34 Stunden), wurde nach und nach auf 32 und dann auf 29 reduziert, also Dienstende um 13 Uhr. Ich hatte 3 bis 6 Dienste im Monat. In Deutschland beginnt der Dienst um 9 Uhr, wir gehen am darauffolgenden Tag um 7 Uhr (also 22 Stunden), das heißt der Tag nach dem Dienst ist frei. Die Dienstanzahl ist gleich wie in Österreich.

Die Überstunden werden in Deutschland minutiös abgerechnet und werden entweder in Zeitausgleich umgewandelt oder wahlweise ausbezahlt, in Österreich erhielt ich eine Überstundenpauschale, egal wie viele Überstunden es waren.

Arbeitsbedingungen: In Österreich waren wir viele Fachärzte (soweit ich mich erinnere 12 bis 14) und wenige Assistenzärzte (2 bis 3), was zur Folge hatte, dass wir eher minderwertige Aufgaben zu erledigen hatten. Vorteil dieses Systems war, dass meist ein Facharzt anwesend war, um uns zu lehren. In Deutschland sind wir wenige Fachärzte (2 bis 3) und zurzeit 4 Assistenzärzte, wobei ich kurz vor der FA-Prüfung bin. Der Vorteil ist meiner Meinung nach enorm. Ich konnte von Anfang an Entscheidungen treffen und mich entwickeln. Vielleicht sieht das jemand anderes jedoch als Nachteil.

Bürokratie: In Deutschland gibt es tatsächlich weniger Bürokratie, das liegt an einer gut durchorganisierten Struktur. Es gibt auf jeder Abteilung eine Case Managerin, welche den Patientenweg von der Aufnahme über die OP-Planung bis zur Entlassung plant. Das ist jedoch speziell medizinisch geschultes Personal. Auch haben die Stationsschwestern einen anderen Stellenwert. Infusionen, Blutabnahmen und venöse Leitungen (Venflone) sind Schwesternsache, Ärzte übernehmen diese Aufgaben nur in schwierigen Fällen. Als Turnusarzt ist man doch in Wirklichkeit vor allem für diese drei Tätigkeiten zuständig. Arztbriefschreibung ist natürlich Arztsache und nimmt auch in Deutschland viel Zeit in Anspruch.

Der Hauptgrund, warum allerdings meine Frau und ich Ende 2011 nach Deutschland gegangen sind, war unsere Ausbildung. Wir haben schlichtweg in Österreich keine Stellen dafür bekommen. Meine Frau ist Assistenzärztin für Labormedizin, ich für Plastische Chirurgie. An zweiter Stelle, jedoch nicht ganz unwichtig, war natürlich die Gesamtsituation. Das Grundgehalt ist übrigens ca. gleich. In Deutschland gibt es kein 13. und 14. Gehalt, dafür ist der monatliche Lohn bei deutlich geringerer Belastung höher.

Dr. Wolfgang Hofer ist Arzt in einem Spital in Ostdeutschland und stammt aus Oberösterreich

2 Kommentare
  1. Dr. med. Oliver Oettel
    Dr. med. Oliver Oettel says:

    ACHTUNG:
    Die oben von Kollege Hofer skizzierten Verhältnisse stellen KEINESFALLS den STANDARD IN DEUTSCHLAND dar!
    Er hat Glück, solche Areitsumstände gefunden zu haben.
    ALSO: Bei jeder Bewerbung obige IDEALBEDINGUNGEN überprüfen.
    Es gibt nämlich auch andere Stellen…

    Antworten
  2. Stefan
    Stefan says:

    das 13. gehalt wird aus steuerlichen gründen auf die 12 aufgeteilt. Das 14. gibts tatsächlich nicht. Ist aber eine verhandlungssache mit dem chef..;)

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*