Nach dem Turnus von Oberösterreich nach Australien

2007 beendete ich nach drei Jahren meine Turnusausbildung am LKH Gmunden. In dieser Zeit in meinem Heimatbundesland lernte ich die Höhen und Tiefen des Turnusarzt-Daseins kennen, mit langen Arbeitstagen, endlosen Briefetippen und vor allem vielen, arbeitsintensiven Nachtdiensten.

Es gab bereits eine elektronische Arbeitsaufzeichnung und ich kann mich noch an die Wochenarbeitszeiten erinnern, die gesetzeskonform im Durchschnitt bei 60 Stunden lagen. 4 Nachtdienste innerhalb von 8 Tagen waren die Normalität (Freitag-Sonntag-Dienstag-Donnerstag) und gesetzlich erlaubt. Dies bürdete man sich auf, wenn man im selben Monat mehr als eine Woche frei haben wollte, da es nur selbstverständlich war, dass man in den Rest des Monats irgendwie ein Maximum an Diensten basteln musste. Überstunden wurden teils pauschaliert, teils zu einem niedrigen Stundensatz bezahlt. Das Einkommen lag im Zeitraum 2004 bis 2007 zwischen 1.800 und 2.400 € netto, abhängig von Dienstanzahl und Sonderklassegebühren.

Dann ab nach Australien

Im Sommer 2007 ein schlagartiger Wechsel in ein anderes System: Als Resident Medical Officer im 2. Jahr (so wurde ich eingestuft) arbeitete ich in einem großen Spital in Perth in Westaustralien.

Mir wurden in den verschiedenen Rotationen (Plastic Surgery, Cardiology, Emergency Department, Neurology und eine Rotation war ich „Springer“) jeweils zu Beginn mein Dienstplan („Roster“) für die kommenden zehn Wochen vorgelegt. Ausgehend von einer 38-Stunden-Woche wurde man stundenweise bezahlt, aber natürlich abhängig von der Tageszeit und vom Wochentag (am besten waren die Nachtstunden an den Wochenenden bezahlt mit bis zu 100 Prozent Aufschlag) und ab der 39. Stunde galt alles als Überstunde. Die tatsächlich gearbeitete Wochenarbeitszeit bewegte sich bei 45 bis 50 Stunden. Dienste durfte man tauschen, wenn man selber einen Tauschpartner gefunden hatte. Urlaub war problemlos möglich, da dafür die Springerdienste genau deinen Dienstplan übernehmen mussten. Es gab auch gut bezahlte Rufbereitschaft, sogenannte „On-call“. Diese wurde grundsätzlich mit einem Drittel des normalen Stundensatzes bezahlt und, falls man etwa wegen der Erkrankung eines Kollegen oder dem hohen Arbeitsaufkommen in der Notaufnahme einspringen musste, wurden die Überstunden natürlich extra ausbezahlt. Dies führte zu einem guten, aber auch leistungsabhängigen Verdienst von durchschnittlich (netto) AUD 6.500 (umgerechnet mit dem damaligen Kurs: 3.800 €) pro Monat. Der Stundensatz erhöht sich etwa um 10 Prozent jedes weitere Jahr, das man in Australien arbeitet. Wenn man in die Facharztausbildung wechselt oder schließlich Facharzt ist, kommen andere Gehaltsschemata zum Tragen. Ich sollte aber auch erwähnen, dass Fachärzte, die in einem Spital arbeiten, sehr hohe Gehälter bezahlt bekommen, die ihnen offenbar kaum jemand neidet. Ein junger Kardiologe, 35 Jahre alt, hat mir von seinem letzten Jahresgehalt berichtet, umgerechnet 230.000 € brutto.

Der Verdienst war aber nur die eine Seite der Medaille…

…die andere Seite waren die angenehmen Arbeitsbedingungen und die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit in einem Krankenhaus. Man hatte direkte Ansprechpartner bei den Fach- und Assistenzärzten, eine klare Pausenregelung selbst im größten Stress und es kam, neben der auch in Australien stark ausgeprägten Bürokratie, das „bedside teaching“ nicht zu kurz. Australien erlebte, ähnlich wie nun Österreich, einen selbst provozierten Ärztemangel, weshalb das Land bis vor wenigen Jahren sehr viele Ärzte aus der ganzen Welt aufnahm. Häufig war natürlich das hohe Einkommen neben dem sehr angenehmen Lebensstandard der ausschlaggebende Grund, dass Ärzte vor allem aus Süd- und Südostasien sowie Europa in Australien zu arbeiten begannen. Diese Arbeitsmigration wurde in den Medien positiv dargestellt und es wurde immer wieder betont, wie anstrengend die Arbeitsumstände für das gesamte Kankenhauspersonal wären.

Ich bin aber, nachdem ich ein Jahr lang meine Defizite aus dem Turnus ausgleichen konnte und das selbstständige und selbstverantwortliche Arbeiten erlernen durfte, aus persönlichen Gründen wieder nach Österreich zurück gegangen und arbeite mittlerweile als Facharzt in einem Wiener Gemeindespital. Von der guten Organisation und Planbarkeit des Arbeitstages und dem vergleichsweise sehr hohen Gehalt träume ich jetzt manchmal noch.

Dr. Matthias Reisinger

3 Kommentare
  1. Elisabeth Hinterhölzl
    Elisabeth Hinterhölzl says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Reisinger,
    Gerne würde ich auch noch ein paar zusätzliche Informationen von Ihnen erhalten. Eine Kontaktaufnahme per Mail wäre ideal.

    Antworten
  2. Daniela Gapp
    Daniela Gapp says:

    Ich würde mich über eine kurze Kontaktaufnahme von Hr. Reisinger sehr freuen. Dieses Thema interessiert mich brennend!

    Antworten
    • Elisabeth Hinterhölzl
      Elisabeth Hinterhölzl says:

      Daniela, hast du schon etwas in Erfahrung gebracht? wäre nett, wenn wir zwei uns kurzschließen könnten.

      LG,
      Elisabeth Hinterhölzl

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