Keine Zeit für Tränen

halb 8 Uhr früh…

„Zimmer 15, eine Aufklärung“ begrüßt mich die Schwester um halb 8 Uhr früh am Stützpunkt. Bei der Patientin soll eine Punktion des Knochenmarks vorgenommen werden. Es ist meine Aufgabe ihr den Eingriff zu erklären und sie über mögliche Komplikationen aufzuklären.
Mitten im Gespräch bricht sie in Tränen aus. Sie hat Angst. Vor der Untersuchung, vor Schmerzen und noch viel mehr vor dem Untersuchungsergebnis und den Konsequenzen daraus.

Ich weiß, was sie brauchen würden…

Ich möchte sie trösten, ihr meine Schulter zum Anlehnen anbieten, ein Taschentuch reichen und sie in den Arm nehmen. Aber mein Telefon läutet schon wieder. Der nächste Patient wartet. Also kann ich mich nur noch kurz erkundigen, ob sie Fragen zum Eingriff hat. Dabei weiß ich genau, dass ihr nur eine einzige Frage durch den Kopf geht: „Habe ich Krebs?“
Es tut mir leid. Ich weiß, was diese Patientin von mir brauchen würde, aber ich habe nicht die Zeit, ihr Zeit zu schenken, Zuwendung und ein offenes Ohr.

Beim Hinausgehen habe ich selbst Tränen in den Augen.

Per Mail von einer Turnusärztin in Oberösterreich

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