I have a dream

Vom Ärztemangel in Europa spürt Österreich nichts. Die Ausbildung ist top, die Medizinabsolventen bleiben daher selbstverständlich im Land. Auch die Rahmenbedingungen sind gut. Die Patientenströme sind geregelt: Zuerst zum Hausarzt, dann zum Facharzt in die Ordination, mit Überweisung oder im akuten Notfall in die Krankenhausambulanz. Die Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern haben die Zeit für ihre Patienten, die sie benötigen. Die zulässige Arbeitsdauer ist für Mediziner zwar länger als bei den meisten anderen Berufsgruppen, aber es gibt anschließend Ruhezeiten, die auch eingehalten werden. Die Gehälter sind für die lange Ausbildung und die hohe Verantwortung angemessen. Und diese guten Rahmenbedingungen wirken sich natürlich auch sehr positiv auf das Arbeitsklima aus.

Stopp!! – jetzt bin ich leider aufgewacht:
„Mehr als 600 der 1380 Medizin-Absolventen haben 2013 nicht in Österreich zu arbeiten begonnen“, sagte Reinhold Mitterlehner, damals noch als Wissenschaftsminister, im März dieses Jahres dem Kurier. Wo sind diese mehr als 600 Absolventen? Was hat sie dazu bewogen, nicht als Mediziner zu arbeiten, beziehungsweise, vielleicht doch, aber nicht in Österreich? Und was wäre, wenn sich diese mehr als 600 angehenden Mediziner im Jahr 2013 doch für einen Arbeitsplatz in Österreich entschieden hätten? Und vermutlich ebenso viele Absolventen heuer, nächstes Jahr, übernächstes Jahr…?

Mein Sohn studiert Medizin im 5. Jahr. Derzeit verbringt er ein Auslandssemester in Spanien. Einen Teil des KPJ plant er, in der Schweiz und in Deutschland zu absolvieren. Wo er nach der Promotion arbeiten wird? Dort, wo es ihm am besten gefällt. Ausbildungsplätze gibt es derzeit mehr als genug. Er ist jung, ambitioniert und ungebunden. Und er kann sich, wie auch alle seine Studienkolleginnen und –kollegen, seinen Ausbildungsplatz aussuchen.

Per Mail von einem Primarius an einem Schwerpunktkrankenhaus in OÖ

1 Antwort
  1. Walter Binder
    Walter Binder says:

    Hier passiert nicht irgend ein Unglück, hier wird bewusst gesteuert um das Ziel, nämlich die freie Praxis auszurotten, zu erreichen und möglichst bald zu Gunsten eines steuerbaren Marktes in Form von „in Allem glücklich machenden“ Ärztezentren“ zu agieren.
    Liebe Patienten, lernt brav Slowakisch, Slowenisch und Ukrainisch, damit Ihr Euch mit den dort tätigen Ärzten in Zukunft unterhalten könnt und mit Euren Beschwerden verstanden werdet.
    Ein paar österreichische Ärzte wird es sicher Auch noch geben. Die sind aber privat zu bezahlen und von der Landesregierung und anderen gut zahlenden Politikern restlos ausgebicht.

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*