Ein Teufelskreis mit Ablaufdatum

Oberösterreich verliert nach und nach seine Turnusärzte. Immer weniger Ärzte müssen die Arbeit von zuvor vielen erledigen. Aufgrund dieser unerträglichen Situation verlassen noch mehr junge Mediziner das Land. Es ist ein Teufelskreis, der aber nicht ewig so weiter gehen kann – sonst stehen wir am Ende alleine da.

Seit Juni 2015 haben ganze 43 Absolventen ihren Turnus in Oberösterreich begonnen – und das bei mehr als 1500 Medizinern, die österreichweit im Jahr 2015 ihr Studium abgeschlossen haben. Ich zähle zu diesen 43, weil meine Lebensgefährtin aus beruflichen und privaten Gründen an Linz gebunden ist. Aber natürlich habe ich mich in anderen (Bundes-)Ländern umgesehen. Dort hätte ich teilweise wesentlich bessere Arbeitsbedingungen vorgefunden. Aus Liebe zu meiner Lebensgefährtin bin ich dennoch in Linz geblieben. Die Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen stirbt zuletzt.

Laut einer Umfrage der ÖH wollen 6 von 10 Medizinern nach dem Studium nicht in Österreich bleiben. Selbst wenn man die ausländischen Studenten abzieht und nur die österreichischen fragt, will immer noch mehr als die Hälfte ihre Heimat verlassen.

Im Oktober 2012 gab es noch 630 Turnusärzte in Oberösterreich. Heuer sind es nur mehr 413. Was das für unseren Arbeitsalltag bedeutet, ist wohl nicht schwer auszurechnen: Zunehmende Arbeitsverdichtung, viel zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten, längere Wartezeiten und Leistungsreduktionen in den Spitälern.

Ich schreibe diese Zeilen, weil ich mir ernste Sorgen um unser öffentliches Gesundheitssystem mache. Wir dürfen nicht müde werden, auf diese Missstände hinzuweisen. Ansonsten stehen wir in ein paar Jahren vor einem Trümmerhaufen. Man kann nur hoffen, dass die Politik endlich tätig wird. Die Gesundheit der Bevölkerung ist der letzte Bereich, an dem der Sparstift angesetzt werden sollte.

Von einem anonymen Turnusarzt aus Linz.

2 Kommentare
  1. Dr. Alfred Wassermair
    Dr. Alfred Wassermair says:

    Gerade hab ich mich mit einer Turnusärztin unterhalten, die In Linz seit 1 Monat tätig ist. Was sie erzählt ist eigentlich schrecklich. Sie ist auf einer chirugischen Abteilung und hat den Op noch nie von innen gesehen, weil sie reine Systemerhalterin ist und auf einer Station mit 48 Betten mehr oder weniger auf sich allein gestellt , sämtliche Probleme und sämtliche Administration zu erledigen hat. Es gibt keine den sie fragen kann, es gibt niemand der sich für ihre Ausbildung zuständig fühlt. Sie ist jeden Tag restlos erschöpft und hat nicht inmal Zeit zu Mittag zu essen. Der Patientendurchlauf und damit die administrative Arbeit einerseits und die Gewinne für das Krankenhaus andererseits sind so hoch, dass sie auch in ihrer Freizeit arbeitet. Es lebe das Gesundheitssystem, das schon die Turnusärzte krank macht.

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