Ein dramatisch besseres Leben – Als österreichischer Mediziner an einer Uniklinik in Deutschland, (Teil 2)

Teil 1 nicht gelesen? Den finden sie hier

Arbeit & Arbeitszeiten

Wir haben sehr viel Arbeit. An der Uniklinik werden weltweit am meisten Prostatektomien durchgeführt. Das muss bewältigt werden. Sowie der Rest der Einsendungen. Im Schnitt sitzen die Assistenten jeden Tag von 8 bis 20 Uhr im Haus. Für den Oberarzt ist es minimal besser. Eine fix vorgegebene Anwesenheit wie bei der Holding in NÖ inklusive stempeln gibt´s hier nicht. Die Arbeit muss gemacht sein. Egal wie kurz oder lang es dauert. Das heißt, ich komme um 9 und gehe im Schnitt zwischen 19 und 20 Uhr.

Mir kommt auch vor, dass in Deutschland das Akquirieren externer Einsender viel besser funktioniert als in Österreich. Man handelt sich Verträge aus und ist nicht auf den Krankenhausträger fixiert. Genauso funktioniert das auch mit dem Stellenschlüssel. Wir können aufgrund von Drittmittel mehr Stellen bezahlen als der eigentliche Schlüssel vorgibt.
Der bürokratische Aufwand ist nicht höher als in Österreich, wenn man einmal von der Übersiedelung absieht. Im Gegensatz zur zuständigen Abteilung der Ärztekammer, welches hier absolut inkompetent hinsichtlich bürokratischer Fragen ist, sind die Behörden hier äußerst hilfreich, freundlich und kompetent.

Karriere

Ich bin nach drei Jahren, neben den ganzen andren Bereichen, die mir übertragen worden sind, nun zweiter Stellvertreter des Chefarztes und reiche demnächst meine Habilitation ein.

Ich habe eine Wohnung in Gehreichweite zur Uniklinik, was meine Lebenssituation auch deutlich verbessert hat. Und diese Stadt hier ist sowieso eine Traumstadt. In diesen drei Jahren habe ich immer noch keinen unfreundlichen Menschen hier getroffen. Und ich habe 17 Jahre in Wien gewohnt. Einzig, mir fehlen halt etwas die Berge und meine Freunde.

Man muss dazusagen, dass meine Geschichte nicht für alle Kliniken gilt. Ich kenne einige, die bei privaten Trägern angestellt sind, dort ist es nicht besser als bei der Holding in NÖ.

Aber die Situation erlaubt es, sich den Arbeitgeber auszusuchen.

 

Um es zusammenzufassen: Mein Leben hat sich eigentlich dramatisch verbessert. Wenn man davon absieht, dass ich hier gefühlt doppelt so viel arbeite. Ich habe mehr Möglichkeiten, in einem guten Jahr meinen PD, bin international präsent und arbeite in einem sehr harmonischen Umfeld.

 

Dr. Stefan Steurer ist Arzt in einer Großstadt im Norden Deutschlands

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