Ein dramatisch besseres Leben – Als österreichischer Mediziner an einer Uniklinik in Deutschland, (Teil 1)

Ich bin vor gut drei Jahren an eine Uniklinik im Norden Deutschlands gekommen. Zuvor war ich im LKH Amstetten Oberarzt und habe dort mehr schlecht als recht verdient. Dazu kommt, dass ich in Wien gewohnt hatte und jeden Tag 120 km hin- und hergefahren bin.

Bezahlung: Nachdem ich mein Vorstellungsgespräch in Deutschland gehabt hatte, waren auch letzte Zweifel ausgeräumt, einen Wechsel zu vollziehen. Man hat mir einen 48-Stunden-Vertrag angeboten, der finanziell mehr als das Doppelte vom Holding-Gehalt in Österreich war. Zusätzlich steigt die Poolbeteiligung jedes Jahr im dreistelligen Bereich. Weiters haben wir als Oberärzte einen Weihnachtsbonus (es gibt ja kein 14. Gehalt wie in Österreich). Gehaltstechnisch verdienen meine Assistenten so viel wie ich als Oberarzt in Amstetten…

Weiterbildung: Kurse und Kongresse werden vom Institut bezahlt, all inclusive. Ich war daher unter anderem seither in Südkorea und New York und flieg in Kürze nach Boston. Mein Chef will, dass wir an internationalen Kongressen und Workshops teilnehmen. Oder man wird für einige Zeit zu internationalen Kapazitäten geschickt, um dort zu lernen.

Wertschätzung: Mein Chef und die Uniklinik wissen (im Gegensatz zu Österreich …), dass Fachärzte Mangelware sind und dementsprechend ist auch der Umgangston. Wir haben ein sehr gutes Arbeitsklima und es wird viel Wert auf „corporate idenity“ gelegt, das heißt, mein Chef geht regelmäßig mit den Oberärzten essen, ich lade mein Team ein- bis zweimal im Jahr zum Essen ein, wir haben ein Sommer- und ein Winterfest vom Institut und es gibt Events, bei denen Mitarbeiter des Instituts aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen weggehen, um außerhalb der Dienstzeit miteinander zu reden und etwas Spaß haben. Und wir haben regelmäßig Führungsworkshops.

 

Dr. Stefan Steurer ist Arzt in einer Großstadt im Norden Deutschlands

1 Antwort
  1. Andrea
    Andrea says:

    Ich kann mit dem Erzählten vom Dr. Steurer konform gehen. Besseres Gehalt und ein viel besseres Arbeitsklima ist in Deutschland zu finden. Ich arbeite selbst seit über 5a in Deutschland.
    Aber neben den Arbeitsbedingungen im Krankenhaus, müssen die ö. Ärzte auch umdenken und von ihrem K&K geprägten Art Anerkennung nur über Titel und Lebensalter zu erlangen, abkommen. Denn als im Ausland gut ausgebildeter Arzt wird man leider nicht mit offenen Armen in Österreich empfangen, sondern kritisch von der Seite beäugt : “ Was kann der Jungvogel schon wissen. Er hat ja nicht mal wie wir alle den Turnus.“
    Es muss sich im guten Österreich auf politischer Ebene und im Ärztealltag viel ändern, bevor wir uns international auf der Ebene der Arbeitsbedingungen profilieren können.

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