Offener Brief an die gesundheitspolitischen Verantwortlichen

Sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister!
Sehr geehrte gesundheitspolitisch Verantwortliche!

Die Nachbesetzungen von Kassenstellen werden in Oberösterreich immer schwieriger. Immer öfter werden wir gefragt, welche Maßnahmen man treffen könnte, damit (junge) Ärztinnen und Ärzte sich wieder verstärkt niederlassen.
Wir stellen dabei häufig ein erhebliches Informationsdefizit hinsichtlich der Probleme und Schwierigkeiten, die der niedergelassenen Ärzteschaft heute bereitet werden, fest.

Mit diesem Brief erlauben wir uns, auf die wichtigsten Fakten und Probleme hinzuweisen und ersuchen Sie, Ihre Möglichkeiten zu nutzen und Ihren Beitrag zu leisten, die medizinische Basisversorgung der Bevölkerung (insbesondere am Land) für die nächsten Jahre zu sichern.

Die wichtigsten Punkte sind:

Turnusausbildung und Lehrpraxis: Krankenanstalten bilden seit Jahren kaum mehr Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner aus. Der bevorstehenden Pensionierungswelle bei den praktischen Ärztinnen und Ärzten steht ein massives Defizit an jungen Kolleginnen und Kollegen gegenüber.
Dazu kommt, dass diese auch kaum eine Chance haben, den Praxisalltag kennen zu lernen: die neue Ausbildungsordnung ist ausgesprochen krankenhauslastig. Wir fordern seit Jahren eine 18-monatige Lehrpraxis in der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin. Derzeit ist noch nicht einmal die Finanzierung der nun abgesegneten Minimalvariante einer sechsmonatigen Lehrpraxis gesichert.

Hausapotheken: die 2006 erfolgte Änderung des Hausapothekengesetzes führt zum Verlust zahlreicher Hausapotheken in ländlichen Gebieten. Deshalb konnten bereits einige Kassenstellen nicht mehr nachbesetzt werden. Beispiele in Oberösterreich für Nachbesetzungsprobleme sind die Gemeinden Molln, Wartberg an der Krems, Helpfau-Uttendorf oder St. Marien. Eine Reparatur dieses Gesetzes wird seit fast zehn Jahren versprochen – bisher ohne Ergebnis. Zahlreiche Gemeinden, auch in anderen Bundesländern, beklagen diesen Umstand.

Vorsorgeuntersuchung und Mutter-Kind-Pass: Diese höchst sinnvollen und in Österreich auch beliebten Präventivprogramme sterben einen langsamen Tod. Seit 2005 wurden weder die Programme dem medizinischen Fortschritt angepasst noch das Honorar valorisiert. Die MKP-Kommission des Bundesministeriums wurde aufgelassen. Erst nach Gründung einer Expertenkommission durch die ÖÄK wurde heuer wieder ein Gremium geschaffen, das „Veränderungen diskutieren“ soll.

Hygieneverordnung und Medizinproduktegesetz: Beide gesetzlichen Maßnahmen, über deren Sinnhaftigkeit man durchaus geteilter Meinung sein kann, erfordern teilweise hohe Investitionskosten. Diese können aufgrund unserer Kassenverträge nicht an die Endverbraucher (PatientInnen) weitergegeben werden und schlagen somit bei den ÄrztInnen direkt einkommensmindernd auf. Die Anschaffung teurer Sterilisatoren wird etwa die kleine Wundversorgung (Wundnähte, Wundausschneidung etc.) in den Praxen demnächst zum Erliegen bringen. Die PatientInnen müssen dann wieder die Krankenhaus-Ambulanzen aufsuchen, obwohl man diese eigentlich entlasten will.

Qualitätsmanagement und Fortbildungsverordnung: 2016 findet in Oberösterreich wieder die gesetzlich vorgeschriebene Ordinationsevaluierung statt. Dabei werden zum Teil durchaus sinnvolle und wichtige Qualitätsstandards überprüft. Es werden aber auch Maßnahmen eingefordert, die in keiner Weise an die unterschiedlichen Leistungsangebote in Praxen angepasst sind und im Grunde nur Kosten verursachen. Eine regelmäßige und gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung von 50 Stunden pro Jahr erachten wir als angemessen und notwendig. Dennoch sei darauf hingewiesen, dass niedergelassene ÄrztInnen (meist im Gegensatz zu angestellten KollegInnen) nicht nur die Fortbildung selbst finanzieren, sondern die Praxis in dieser Zeit schließen oder eine Vertretung anstellen müssen.

PHC Gesetz: Jüngstes Steckenpferd der Gesundheitspolitik sind „Primary Health Care“-Zentren, die sich ebenfalls – wenn überhaupt – nur im städtischen oder kleinstädtischen Bereich verwirklichen lassen. Da man für das Betreiben dieser Zentren ebenfalls ÄrztInnen benötigt, wurde und wird – entgegen der erst im Vorjahr getroffenen Vereinbarung „Das Team rund um den Hausarzt“ – ein PHC-Gesetz proklamiert, das die Führung solcher Zentren im Grunde auch ohne ÄrztInnen ermöglicht und die Ärztekammern als Standesvertretung völlig umgeht und aushebelt. Man stelle sich dieses Vorgehen einmal bei der Arbeiterkammer vor. Für die so wichtige medizinische Versorgung am Land sind völlig nebulos und insuffizient „Netzwerke“ vorgesehen, wobei hier wohl „Netze“ ohne „Werker“ gemeint sein dürften.

ELGA: Die Bedenken der Ärzteschaft hinsichtlich rechtlicher Belange, Nutzen und Performance der „Elektronischen, lebenslangen Gesundheitsakte“ wurden bisher in keiner Weise entkräftet. Da man nun jedoch bei der Einführung im stationären Bereich – wenig überraschend – auf erhebliche technische Probleme stößt, wird der Terminplan dort prolongiert. Nicht jedoch im niedergelassenen Bereich. Dort geht man davon aus, dass jeder schon irgendwie damit zu Rande kommen muss.

Den niedergelassenen Bereich stärken: dieses Versprechen hören wir seit Jahrzehnten. In der Tat werden in den stationären Bereich hunderte Millionen Euro (mehr oder weniger unbegrenzt) aus Steuermitteln investiert, während der niedergelassene Bereich mit den wirtschaftsabhängigen Einnahmen der Krankenversicherungsträger aus Sozialversicherungsgaben nicht nur auskommen, sondern sich diesen auch noch mit den überproportional steigenden Ausgaben für die Pharmaindustrie teilen muss.

Die Weichen für eine moderne, leistungsstarke und leistbare medizinische Basisversorgung einer alternden Bevölkerung müssen JETZT gestellt werden, wenn es dafür teilweise nicht sogar schon zu spät ist. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass die ärztliche Versorgung auch für Ihre Gemeinde in Zukunft erhalten bleibt, setzen Sie sich in Ihrem Handlungsfeld mit aller Kraft und der gebotenen Ernsthaftigkeit für annehmbare Bedingungen für niedergelassene ÄrztInnen ein.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Wolfang Ziegler

Ein Teufelskreis mit Ablaufdatum

Oberösterreich verliert nach und nach seine Turnusärzte. Immer weniger Ärzte müssen die Arbeit von zuvor vielen erledigen. Aufgrund dieser unerträglichen Situation verlassen noch mehr junge Mediziner das Land. Es ist ein Teufelskreis, der aber nicht ewig so weiter gehen kann – sonst stehen wir am Ende alleine da.

Seit Juni 2015 haben ganze 43 Absolventen ihren Turnus in Oberösterreich begonnen – und das bei mehr als 1500 Medizinern, die österreichweit im Jahr 2015 ihr Studium abgeschlossen haben. Ich zähle zu diesen 43, weil meine Lebensgefährtin aus beruflichen und privaten Gründen an Linz gebunden ist. Aber natürlich habe ich mich in anderen (Bundes-)Ländern umgesehen. Dort hätte ich teilweise wesentlich bessere Arbeitsbedingungen vorgefunden. Aus Liebe zu meiner Lebensgefährtin bin ich dennoch in Linz geblieben. Die Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen stirbt zuletzt.

Laut einer Umfrage der ÖH wollen 6 von 10 Medizinern nach dem Studium nicht in Österreich bleiben. Selbst wenn man die ausländischen Studenten abzieht und nur die österreichischen fragt, will immer noch mehr als die Hälfte ihre Heimat verlassen.

Im Oktober 2012 gab es noch 630 Turnusärzte in Oberösterreich. Heuer sind es nur mehr 413. Was das für unseren Arbeitsalltag bedeutet, ist wohl nicht schwer auszurechnen: Zunehmende Arbeitsverdichtung, viel zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten, längere Wartezeiten und Leistungsreduktionen in den Spitälern.

Ich schreibe diese Zeilen, weil ich mir ernste Sorgen um unser öffentliches Gesundheitssystem mache. Wir dürfen nicht müde werden, auf diese Missstände hinzuweisen. Ansonsten stehen wir in ein paar Jahren vor einem Trümmerhaufen. Man kann nur hoffen, dass die Politik endlich tätig wird. Die Gesundheit der Bevölkerung ist der letzte Bereich, an dem der Sparstift angesetzt werden sollte.

Von einem anonymen Turnusarzt aus Linz.

Warum wir uns alles so lange gefallen ließen

… und jetzt erst aufschreien?
Ich bin 1993 mit meinem Medizinstudium fertig geworden, damals war ich 29. Ich war die erste von meinen Kollegen, die mit dem Studium fertig war und hatte bereits zwei Kinder. Am Tag meiner Promotion waren drei Promotionstermine mit jeweils 25 Kollegen. Ich freute mich sehr, bei diesem festlichen Akt bekannte Gesichter zu treffen. Dem war aber nicht so: ich habe keinen einzigen auch nur vom Sehen wiedererkannt. Weil wir so viele waren auf der Uni in Wien.
Dann hieß es noch WARTEN auf einen Turnusplatz im Krankenhaus. Der Turnus ist der Abschluss der ärztlichen Ausbildung, ohne Turnus bist du immer noch nicht Arzt in Österreich. KEIN MENSCH würde an dieser Stelle noch mal umdrehen und sich jobmäßig „was anderes“ suchen! Ich hatte damals schon Familie (wie gesagt zwei Kinder), ein langwieriges Studium hinter mir: Da schluckst du die Krot einfach und nimmst den Job an. Und du freust dich über das erste Gehalt! Ohne zu kapieren, wie mickrig es ist, weil dir durch das lange Studentenleben der Vergleich fehlt. „Die drei Jahre schaffst du jetzt auch noch“, denkst du dir.

Wir hatten bis zu 95 Wochenstunden. Wenigstens das hat sich ja schon gebessert inzwischen. Ich hab mich damals bei Gott nicht göttlich gefühlt (von wegen: Götter in Weiß), sondern einfach ohne Alternative. Frag mal jemand meine Kinder, wie es denen damals ging! Oder meinen Mann, der auch im Turnus war. Teilweise haben wir nur über Zettel kommuniziert, die wir am Küchentisch hinterlegten, damit der Partner am Laufenden ist, wenn er heimkommt. (Zur allgemeinen Beruhigung: wir sind immer noch verheiratet.)

Als ich dann im letzten Turnusjahr noch mal schwanger wurde, hab ich es Breitseite zu spüren bekommen, was es bedeutet, ein mickriges Grundgehalt zu haben: Als Schwangere darfst du auf der Stelle keinen Nachtdienst mehr machen und auch keine Überstunde. Die Kollegen haben mich gebeten, ich möge möglichst lange damit zuwarten, meine Schwangerschaft zu melden, damit sie nicht meine Nachtdienste übernehmen müssen. Mit dem Grundgehalt fiel ich umgehend weit, weit runter – auf umgerechnet € 1.000 brutto damals – und zwar zunächst mal bis zum Beginn des Mutterschutzes. Natürlich dann auch beim Karenzgeld. Recht viel mehr ist das Grundgehalt ja jetzt auch nicht, wenn man 20 Jahre vergehen lässt.

So gesehen bin ich stolz auf meine Kollegen, die jetzt endlich auf die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes pochen! Wir hatten das damals auch mal versucht – mit zaghaften Ärzteversammlungen, sind aber abgeprallt bei der Politik, weil wir nahtlos ersetzbar waren. Das ist jetzt anders.
Dass durch diese Debatte nun auch endlich zu Tage tritt, wie mies wir alle entlohnt wurden – hier darf durchaus der Begriff der gezielten Ausbeutung verwendet werden! – ist ein sicherlich nicht kleiner Kollateralschaden, den aber nicht wir Ärzte verschuldet haben.
Es muss sich was ändern – und wann, wenn nicht jetzt?

Dr. Ursula Hammel ist Allgemeinmedizinerin in Schärding

Wieviel ist Ihnen der Handwerker Ihres Vertrauens wert?

Hier eine Anleitung, wie man hoch qualifizierte und anfangs sehr motivierte Arbeitnehmer ausnutzen kann: So sparen Sie richtig viel Kohle und bekommen beste Qualität ums kleine Geld. Wir verraten Ihnen, wie das geht.

Sie stellen also einen Handwerker ein. Zuallererst klären Sie die Arbeitsmodalitäten. Sagen Sie ihm, er fängt heute um 7 Uhr zu arbeiten an, es gibt bis 23 Uhr keine Pause, danach darf er sich vielleicht einmal für 5 Minuten kurz ausruhen, ein Glas Wasser trinken und schnell das kalte Abendessen, das um 19 Uhr frisch und warm war, hinunterschlingen. Nach weiterer intensiver Arbeit und ständigen Anfragen der Gehilfen sollten Sie nicht ungnädig sein. Gönnen Sie ihm von 2:30 bis 3:30 Uhr ein kleines Nickerchen, sofern es die Kundenbetreuung überhaupt erlaubt.
Dann aber wieder rasch zurück an die Arbeit, möglichst frisch bis in die Morgenstunden hinein. Es könnte ja auch etwas schiefgehen, wenn man so lange am Stück arbeiten muss und unkonzentrierter wird. Zum Glück verzeihen einem die Kunden sehr leicht jegliche Fehler. Es geht hier ja schließlich nur um simple Beratung und Reparaturen und nicht um echte Menschenleben und bleibende Schäden!

Am nächsten Tag darf er dann endlich, so Gott und Sie als Arbeitgeber wollen, um 12 Uhr nach Hause. Die Arbeitsstunden von gestern ab 15 Uhr bis heute 7 Uhr heute zahlen Sie ihm pauschal mit insgesamt 60 Euro netto aus, da diese außerhalb seiner Kernarbeitszeit liegen. Sagen Sie.
Da er ja allerdings nach dem Dienst nicht wie sonst üblicherweise bis 15 Uhr geblieben ist, ziehen Sie ihm sofort noch drei Stunden seiner Arbeitszeit wieder ab, weil er in der Kernarbeitszeit 3 Stunden zu wenig da war! Die 16 Stunden, die er über Nacht gearbeitet hat, fallen hier nicht ins Gewicht und sind schließlich auch nicht Grundlage Ihrer Wochenstundenberechnung.
Früher konnten Sie Ihren Handwerker am nächsten Tag sogar bis 17 Uhr weiterarbeiten lassen, allerdings wurde Ihnen das von Ihrem Vorgesetzten abgedreht, weswegen Sie Ihren Handwerker nun bereits um 12 Uhr heimlassen dürfen. Hatte da jemand vielleicht ein Herz für Handwerker oder ist man Ihnen auf die Schliche gekommen und hat festgestellt, dass Handwerker nach 12 Uhr des Folgetages vielleicht zu viele Fehler produzieren und es für Sie evtl. billiger sei, wenn Sie hier auf die weiteren 3 bis 4 Stunden pfeifen? Naja, es ist halb so schlimm, denn wie Sie nun im Weiteren erfahren, gibt es ja eine gute Möglichkeit, wie man sich diese fehlende Arbeitsleistung dann doch noch über Umwege sichern kann.

Sollte Ihr Handwerker nämlich vielleicht schon sogar um 8 Uhr morgens das Bedürfnis verspürt haben heimzugehen, weil die Nacht dann doch etwas anstrengender war, dann ist das für Sie doppelt gut. Dann sind es nämlich nicht mehr 3, sondern satte 7 Minusstunden, die er zu wenig da war. Hier dürfen Sie sich als Arbeitgeber ganz besonders freuen: Diese Stunden können Sie ihm nämlich getrost und ohne sein aktives Einverständnis einfach von seinem Urlaubskonto oder vom Zeitausgleich abziehen. So bleibt Ihnen seine billige, hochqualifizierte Arbeitskraft noch länger erhalten und er muss nicht mehr so lange in einen sowieso nicht wohlverdienten Urlaub gehen. Er kann sich in seiner spärlichen Freizeit, die oft gespickt ist mit verpflichtenden Aus- und Fortbildungen, ja sowieso genügend ausrasten.

Für Sie als Arbeitgeber und für den Gesetzgeber besteht kein Handlungsbedarf, Ihren Handwerker zu schonen. Arbeitnehmerschutz muss für Sie als Arbeitgeber ein Fremdwort bleiben! Darauf haben schließlich nur alle anderen Berufsgruppen Anspruch.
Seien Sie hier auch beruhigt, Ihr Handwerker verrichtet seinen Job doch gerne, auch unter solchen Arbeitsbedingungen. Er wird sich deswegen schon nicht beschweren oder etwa streiken. Und vermeiden Sie jede Diskussion. Es wäre nur lästig, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzen müsste. Und sollte es einmal zu Forderungen kommen, dann sitzen Sie etwaige Situationen einfach ruhig und gelassen aus!
Nun aber zurück zu Ihrem Handwerker nach seiner 30-Stunden-Schicht. Bei seiner Heimfahrt darf natürlich nichts passieren. Es wäre ja schon während der Arbeit dumm genug gewesen, wenn aufgrund fehlender Pausen und Übermüdung etwas schief gegangen wäre. Zum Glück geht es hier nicht um Menschenleben…

Es wäre auch blöd, wenn die Polizei Ihren Handwerker nach einem 30-Stunden-Dienst am Nachhauseweg aufhielte und einen Reaktionstest machen würde, das könnte problematisch werden, der agiert wie ein Betrunkener, Führerscheinabnahme! Doch Halt! Das darf Ihnen als Arbeitgeber egal sein. Der Handwerker muss ja schließlich selbst wissen, wie er nach Hause kommt und ob er noch fahrtauglich ist. Es kann Ihnen auch egal sein, wie lange Ihr Handwerker nach seiner Arbeit noch unterwegs ist. Ihr Handwerker ist ja schließlich kein Lkw- oder Busfahrer.
Denken Sie immer daran: Wäre Ihr Handwerker ein Busfahrer, dann dürfte er täglich maximal 9 Stunden fahren und müsste nach 4,5 Stunden mindestens 45 Minuten Pause machen. Bei denen geht es ja um echte Verantwortung, nicht bei Ihrem Handwerker. Welch ein Glück: Ihren Handwerker dürfen Sie im Notfall sogar bis zu 49 Stunden am Stück schinden. Das ist immerhin schon um 9 bis 10,5 Stunden mehr als eine Sekretärin in einer ganzen Woche im Büro arbeitet.

Wiederholen Sie den Arbeitseinsatz Ihres Handwerkers in dieser Art. Teilen Sie ihm mit, dass dies in Zukunft noch häufiger der Fall sein wird, da derzeit akuter Personalmangel herrscht. Ihr Handwerker hat dafür sicher Verständnis.
Erklären Sie Ihm auch, dass er seine Nachtarbeitsstunden nicht zur normalen Kernarbeitszeit hinzuzählen dürfe. Das würde Ihr Lohnmodell durcheinanderwerfen und außerdem würde er Ihnen bei einer realen Stundenabrechnung dann zu teuer kommen. Und das geht gar nicht!

Merken Sie sich den obersten Grundsatz: Wenn Sie Kosten sparen wollen, dann immer bei Ihrem Handwerker! Stellen Sie Ihrem Handwerker ein Bereitschaftszimmer zur Verfügung, da sich dadurch die Lohngestaltung besser rechtfertigen lässt. Erklären Sie ihm, dass er dort zu Dienstbeginn seine Sachen hinstellen und sich auch jederzeit hinlegen könne, aber nur, wenn es gerade keine Arbeit gebe. Erklären Sie Ihrem Handwerker, dass er deswegen einen so geringen Lohn bekäme, da er nach 15 Uhr eventuell von seinen Gehilfen höchstens ein- bis zweimal gebraucht werden könnte und ab 23 Uhr sowieso schliefe… Stellen Sie aber auch gleich klar, dass es eigentlich immer rund um die Uhr Arbeit gebe, besonders wenn Kundschaft kommt – und die kommt gerne jederzeit zu den Öffnungszeiten von Montag bis Sonntag von 0 bis 24 Uhr. Und auch die Stammkunden wollen ausgiebig betreut werden. Überspannen Sie den Bogen jedoch nicht allzu sehr, sonst verabschiedet sich Ihr Handwerker irgendwann einmal in die Privatwirtschaft und arbeitet zu vertragsfreien Bedingungen in Zukunft nur mehr in seine eigene Tasche. Dann müssen Sie als Arbeitgeber einen neuen Handwerker suchen und angesichts besserer Angebote am Markt Ihrer potentiellen Neuerwerbung deutlich mehr bieten. Das könnte Ihre verbliebenen Handwerker dummerweise auf die Idee bringen, in Zukunft auch mehr Geld zu verlangen.

Und sollten Sie sich doch trotz Beachtung aller dieser nützlichen Tipps einmal in der misslichen Lage befinden, einen neuen Handwerker suchen zu müssen, dann gehen Sie wie folgt vor: Schalten Sie ein Inserat zur Suche von weiteren Handwerkern. Erläutern Sie im Jobinterview nicht, wie es wirklich aussieht, sondern preisen Sie sich als den besten und tolerantesten Arbeitgeber an. Sollte der Bewerber an Ihrer Stelle interessiert sein, lassen Sie ihn zuerst den Arbeitsvertrag unterschreiben und erklären Sie ihm danach, dass er die Stelle gerne haben könne, jedoch nur wenn er Ihnen einen zusätzlichen Vertrag unterschreibt, der Ihnen als Arbeitgeber die Option auf äußerst selten notwendige Mehrarbeitsstunden zusichert. In diesem Fall dürfen Sie natürlich nicht verraten, dass dies der Regelfall wird.

Vertrauen Sie unseren Tipps. Jeder Handwerkerker wird unter diesen optimalen Arbeitsbedingungen sicher gerne bei Ihnen arbeiten wollen und Ihnen dafür zu tiefst dankbar sein. Noch Fragen?

Per Mail von einem Spitalsarzt in OÖ.

Brief eines Sohnes und Nachwuchsmediziners

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,

Ich bin Sohn eines Mediziners. Mein Vater, ein Augenfacharzt in einem Landeskrankenhaus in OÖ hat viel gearbeitet, sehr viel. In seiner Turnuszeit verrichtete er neben dem regulären Dienst bis zu 15 Nacht- und Wochenenddienste monatlich.

Warum erzähle ich Ihnen das? Nun, weil ich Ihnen gerne zeigen würde, wie sich 60-70-80h Wochenstunden Arbeit auf das Familienleben auswirken. In meiner Kindheit habe ich meinen Vater nicht sehr oft (wach) gesehen. Oft kamen wir mit meiner Mutter ins Krankenhaus, um ihn dort in den Pausen zu sehen.

Als dann der damalige Leiter der Abteilung tödlich verunglückte, übernahm mein Vater interimistisch die Abteilung. Ich war 6 Jahre alt, mein Bruder 4, als ein Jahr Dauerdienst für ihn begann. Das hieß als einziger (!) Facharzt 365 Tage, 24 Stunden für jeden Patienten einer ganzen Abteilung zuständig zu sein, bei einem politischen Versorgungsauftrag für ca. 230.000 Personen (Bezirk Vöcklabruck und Gmunden). In den regulären Zeiten als auch an Wochenenden, bei Nacht und Feiertag. Es gab keinen Ersatz, keine Arbeitsteilung. Zu erwähnen sei, dass es in der Augenheilkunde „Bereitschaftsdienste“ gibt, sprich ein Arzt (damals Turnusarzt) ist ganztägig im Krankenhaus und ein Facharzt nach dem regulären Dienst ab Abend im Hintergrund zu Hause auf Abruf. Können Sie sich vorstellen, wie das für ihn war? Wissen Sie, was das für seine Familie bedeutete? De Facto ein Jahr durchzuarbeiten…

Dies war neben der psychischen Belastung auch körperlich erschöpfend, vor allem, ohne Verbesserung und Entlastung erhoffen zu können. (Fach-)Ärztemangel zeichnete sich seit Jahren ab, trotzdem wurde Ärzten zugemutet, ihr Leben und große Teile ihrer Zeit dem Krankenhaus zu „opfern“. Ohne jegliche Unterstützung von Seiten des Arbeitgebers. Und an eine Privatordination war zeitlich sowieso nicht zu denken.

In den darauffolgenden Jahren war er mit einem/r weiteren Facharzt/Fachärztin in der Pflicht, jeden zweiten Tag und jedes zweite Wochenende Bereitschaft (neben den regulären 50-60h Wochenstunden) zu haben. Was nicht nur bedeutet, ortsgebunden in der Nähe des Krankenhauses zu sein, sondern auch jederzeit abrufbereit und startklar zu sein. Und dies Jahr ein, Jahr aus. Dauerbelastung mit der Anforderung, Spitzenmedizin zu liefern. Abgesehen von der anfangs unbezahlten, dann schlechten Pauschalierung des Bereitschaftsdienstes heißt das, dass es leider nicht nur einmal vorkam, zu Weihnachten auf meinen Vater zu verzichten.

Nicht nur Weihnachten, ich kann mich an unzählige Jahreswechsel erinnern, die ich nur bis 22 Uhr oder früher mit ihm verbringen konnte. Oder Geburtstage ohne ihn. Oder Familien- und Freundesfeiern.

Wäre meine Mutter nicht selbst als Krankenschwester tätig gewesen und hätte nicht täglich erlebt, wie es ist, im Gesundheitssystem zu arbeiten und wie die Anforderungen an Ärzte sind, dann…

… wäre sie beim dritten Hochzeitstag, an dem sie alleine zu Hause saß, bei der 5. Schulaufführung meines Bruders oder mir, die sie alleine sah oder der totalen Erschöpfung meines Vaters, die sich zu Hause in Schlafbedürfnis wiederfand, vermutlich schon über alle Berge gewesen.

Heute sagt sie spaßeshalber, sie ist wegen des Krankenhauses trotz Ehe eine Alleinerzieherin gewesen. Es hat nicht nur sie viel Kraft gekostet, auch mein Vater litt darunter, seine Söhne nicht aufwachsen zu sehen, seine Ehefrau nicht so unterstützen zu können. Ich habe jahrelang mit ansehen müssen, wie sehr die Arbeitsbelastung an seiner Substanz zehrte. Ich weiß, er liebt uns und er tut alles für uns, für seine Familie. Jedoch war es oftmals aufgrund des Arbeitspensums und Mangels an Personal im Krankenhaus nicht möglich, bei uns zu sein.

Unsere Urlaube waren meist Freitagnachmittag bis Sonntag in der näheren Umgebung in Österreich. Es war nicht möglich, länger wegzubleiben. Für mich waren Semesterferien eine halbe Woche mit Papa gewesen, die zweite Hälfte war die Kollegin auf Urlaub und hatte etwas Zeit für ihre Familie. Die Überstunden wurden nicht ausbezahlt, sondern als Zeitausgleich abgegolten – theoretisch, denn Zeitausgleich war aufgrund des Facharztmangels nicht möglich. Dieses Pflichtbewusstsein, die Verantwortung den Patienten gegenüber und die Freude am Beruf zeichnet viele seiner ArbeitskollegInnen aus, wurde aber von Spitalsträgern eiskalt ausgenutzt.

Ich schreibe Ihnen nicht, um vorzujammern, dass meine Kindheit schlecht war. Das war sie nicht. Sie war zeitintensiver, manchmal vielleicht situationselastisch. Jedoch hat sie mir viele wichtige Werte vermittelt und ich würde sie gegen nichts eintauschen wollen. Ich denke, es gibt viele, die Ähnliches erlebt haben.

Daher, Herr Landeshauptmann, finde ich ihr „Angebot“, Ärzte sollen doch weiterhin bis zu 72h wöchentlich zu den bisherigen Verhältnissen arbeiten, nicht nur frech, sondern an Ignoranz kaum zu übertreffen. Diese Verhöhnung christlich-sozialer Werte kann ich nur mit Unverständnis quittieren.

Wie kann man es in Erwägung ziehen, einer gesamten Berufsgruppe EU-Recht zu verweigern?

Obwohl ich mit ansah, was das Gesundheitssystem mit hochmotivierten und engagierten
(Spitals-)Ärzten macht und sie zur Ernüchterung bringt … Was glauben sie, studiere ich?

Ich studiere Humanmedizin in Innsbruck, derzeit im 9. Semester. Weil es faszinierend ist, am Menschen zu arbeiten und weil mir die Medizin Spaß macht.
Derzeit verbringe ich ein Semester in Spanien, für mein praktisches Jahr (6. und letztes Studienjahr) habe ich einen Fixplatz für 2 Monate in der Schweiz und ich bewerbe mich derzeit in Schottland und Deutschland. Viele meiner Kollegen handeln ebenso, blicken über den Tellerrand, schnuppern in andere Länder und andere Gesundheitssysteme. Das heißt nicht, dass ich es von vornherein ausschließe, hier zu arbeiten. Einen Teil meines praktischen Jahres absolviere ich in Tirol und Oberösterreich.

ABER: Sie müssen einsehen, dass sich die Medizin im internationalen Wettbewerb um Ärzte befindet und die jahrelange Knechtung der Spitalsärzte nicht mehr konkurrenzfähig ist.

Ich bin nicht mehr bereit, alles zu opfern, um hier arbeiten zu können. Das will nicht heißen, dass mir weniger an den Patienten liegt oder ich weniger Interesse an der Medizin habe. Viele KollegInnen arbeiten freiwillig in Rettungs-/Hilfsorganisationen, wirken in Studentenprojekten zur Verbesserung praktischer Fertigkeiten, besuchen Kongresse und Fortbildungen. Leben für die Medizin. Genießen die Möglichkeit, diesen außergewöhnlich erfüllenden Beruf in Zukunft ausführen zu dürfen.
Aber ich bin nicht mehr bereit, alles zu opfern.

Ich will einmal Zeit für Familie haben.
Zeit, sie zu gründen und meine Kinder in deren Lebensphasen zu begleiten. Zeit für meine Liebsten haben.

Ich will Sport betreiben und Freundschaften pflegen.
Ganz im Sinne von Work/Life-Balance. Ich will trotz des Berufes gesund bleiben und auch ein „normales Leben“ außerhalb des Krankenhauses haben.

Ich will Wertschätzung von meinem Arbeitgeber erfahren.
Der weiß, was die Berufsbelastung mit sich bringt. Der mich unterstützt. Der Verständnis zeigt.

Ich will adäquat bezahlt werden.

Ich will in einem System arbeiten, das berufliche Fort-/ und Weiterbildung ermöglicht und Spitzenmedizin forciert.

Meine KollegInnen und ich – „die Nachwuchsmediziner“ – sind jung, topmotiviert, flexibel und derzeit Mangelware. Wir sind vernetzt und können uns sehr wohl ein Bild machen, wo die Unterschiede zwischen Arbeitgebern liegen, national und international.

Mir liegt etwas an der gesundheitlichen Zukunft Oberösterreichs. Daher bitte ich sie, machen Sie es meinen Mitstudierenden und mir möglich, auch in (Ober-)Österreich arbeiten zu können.

Markus Dobersberger

Student, 9. Semester Humanmedizin
Studienvertretung Humanmedizin Innsbruck
Oberösterreicher

Offener Brief an die OÖ Nachrichten

Sehr geehrter Herr Mag. Wolfgang Braun,
Sehr geehrte Damen und Herren der OÖ Nachrichten

Es ist sehr traurig, dass die OÖ Nachrichten die falschen Aussagen des LH Pühringer unkritisch und ungeprüft verbreitet. Im aktuellen Interview des Herrn LH Pühringer (OÖN vom 10.1.2015) wird der Zeitungsleser gezielt in die Irre geführt und erneut auf eine inakzeptable Weise gegen Primarärzte in Oberösterreich polemisiert.

Turnusärzte verdienen in Oberösterreich mit Grundgehalt und pauschalierter Überstundenvergütung 2.800 € im Monat (ohne Nachtdienste), dies entspricht bei 14 Bezügen einem Basiseinkommen von gut 39.000 € im Jahr und nicht wie von LH Pühringer behauptet 30.000 € im Jahr – das ist die erste falsche Aussage.

Als Leiter einer Abteilung für Innere Medizin bin ich für 130 stationäre Betten und 20 Ärzte verantwortlich, habe aber keinen Anspruch auf eine Überstundenabgeltung. Mein Grundgehalt beträgt gemäß Kollektivvertrag 5.656 € brutto im Monat – hier besteht eine klare Differenz zur Aussage von LH Pühringer – nächste Unwahrheit im Interview.

In allen Betrieben in Österreich darf der Chef deutlich mehr als der unerfahrene Berufsanfänger verdienen, ohne dass dies ständig kritisiert wird. Warum nicht auch im Krankenhaus ? Ein Turnusarzt verdient mit 4 Nachtdiensten 3.600 € im Monat. Mein Monatsgehalt unter Berücksichtigung der Sonderklassehonorare und Ambulanzgebühren beträgt in Monaten mit niedrigen Gebühren etwa das Dreifache, in Monaten mit besseren Gebühren bis zum Vierfachen des Monatsgehalts des Turnusarztes. Ich glaube nicht, dass ich mich mit 25 Jahren Berufserfahrung, mit meiner Verantwortung und noch dazu mit meiner zeitlichen Belastung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit im Spital von mehr als 60 Stunden für die aktuelle Höhe des Einkommens genieren muss. Wo aber ist die von LH Pühringer genannte Zahl vom 23-fachen Einkommen im Vergleich zum Gehalt des jungen Arztes ? – nächste unkritisch publizierte, jedoch falsche Aussage des Herrn LH Pühringer.

Primarärzte werden von den Medien und von LH Pühringer ständig, aber ungerechtfertigt angegriffen. Es sollte vergleichsweise einmal hinterfragt werden, welches Gehaltsgefüge in Wirtschaftsbetrieben oder Finanzdienstleistungsunternehmen existiert. Wir alle akzeptieren, dass die Generaldirektoren der Raiffeisenlandesbank oder der Oberbank ein Vielfaches des Berufsanfängers ihrer Branche verdienen. Wo bitte bleibt hier die Aufregung der OÖN oder des LH Pühringer ? Nur hochqualifizierte Ärzte dürfen nichts verdienen, sondern es werden von der Politik und auch von den Medien in der Bevölkerung eine negative Stimmung gegen Ärzte erzeugt, eine Neiddebatte in Gang gesetzt und vor allem viele Unwahrheiten verbreitet. Demgegenüber wird die Höhe des Gehalts von Firmenchefs oder Bankgeneraldirektoren nicht ständig in Frage gestellt, da deren Einkommen als selbstverständlich in Relation zur Verantwortung der Position akzeptiert wird. Glauben Sie wirklich, dass es der frühere Raiffeisen-Generaldirektor Ludwig Scharinger hingenommen hätte, sein Einkommen ständig gegenüber der Politik und den Zeitungen rechtfertigen zu müssen ??

Wie allgemein bekannt, sind in den oberösterreichischen Spitälern derzeit knapp 150 Arztposten nicht besetzt. Die Personaldecke ist dünn, ein Abgang von lediglich 10 % der aktuell 3200 tätigen Spitalsärzte würde das Spitalswesen in kürzester Zeit zum Kollaps bringen, jedoch könnten diese 320 Ärzte innerhalb von wenigen Wochen ohne einzige Ausnahme in Bayern, Salzburg und Steiermark eine Anstellung finden. Es ist heute kein Problem, als Arzt eine interessante Arbeit mit mehr Einkommen und vor allem mit mehr Wertschätzung (!) als in Oberösterreich zu finden.

LH Pühringer hat zuletzt als Ziel geäußert, das Land Oberösterreich in die Champions League führen zu wollen. Er glaubt aber nicht im Ernst, dass er dies mit seinen aktuellen Methoden erreichen kann ? Es ist für jeden Fußballfan einleuchtend, dass mit dem Budget des LASK die Champions League in weiter Ferne ist. Dementsprechend wird es nicht gelingen, die Medizinische Universität Linz mit adäquaten Führungspersonen zu besetzen, wenn nicht die Bereitschaft besteht, Spitzenmedizinern auch ein Spitzengehalt zu bezahlen. Nachdem LH Pühringer derzeit ein Klima der permanenten Diffamierung von Ärzten in Leitungsfunktionen aufbaut, wird es sich als nahezu unmöglich herausstellen, fachlich und menschlich kompetente Ärzte für die Universitätsklinik zu finden. Jeder potentielle Kandidat wird sich mit Grausen von Oberösterreich abwenden und die Medizinische Universität Linz wird in den Startlöchern stecken bleiben oder das Schicksal der oberösterreichischen Stellungsstraße erleiden.

Herr Mag. Wolfgang Braun, ich fasse meine Ausführungen zusammen:

Es ist an der Zeit, damit aufzuhören, ständig gegen die oberösterreichischen Primarärzte zu polemisieren ! Diese sind nicht untätige Gagenkaiser, sondern leisten eine wertvolle Arbeit als Ärzte und Führungspersonen.

Es ist eine Grundvoraussetzung einer objektiven Berichterstattung, dass Aussagen von Politikern und auch des LH Pühringer nicht ungeprüft veröffentlicht werden. Es darf nicht passieren, dass eine Tageszeitung es zulässt, dass gezielte Falschaussagen von Politikern der Bevölkerung als „Wahrheit“ präsentiert werden.

Es ist unbedingt erforderlich, mit einer seriösen und objektiven Berichterstattung einen wesentlichen Beitrag zu leisten, das oberösterreichische Spitalswesen zu retten, nachdem der politisch Verantwortliche dazu offensichtlich nicht in der Lage ist. Wenn das Grundgehalt der oberösterreichischen Spitalsärzte nicht erhöht wird und die negative Stimmungsmache anhält, wird leider eine unersetzbar große Zahl an Spitalsärzten das Bundesland Oberösterreich verlassen. Als logische Konsequenz müssen wir viele Spitäler und auch die Medizinische Universität Linz zusperren. Ist das unser Ziel oder unser Schicksal ?

Prim. Dr. Andreas Kirchgatterer, MSc
Facharzt für Innere Medizin
Additivfach für Gastroenterologie & Hepatologie und Geriatrie
Leiter der Abteilung für Innere Medizin V
Schwerpunkt Akutgeriatrie und Remobilisation
Klinikum Wels-Grieskirchen

Das neue Gefühl der Menschen in Weiß

meine Gedanken vor dem Zubettgehen …

Solidarität ist ein missbrauchtes Wort – und doch drückt es aus, was ich in den letzten Tage spüre. Gibt es sie unter Ärzten? Es gab sie immer – im Spital, wenn bei Notfällen stationsübergreifend geholfen wurde, um Patienten zu behandeln oder zu retten. Auch in den langen, teils einsamen Nachtdiensten, wenn ein Kollege sagte: „Kannst noch, brauchst was?“ Als kleiner Gott in Weiß hat man meist abgelehnt. „Geht scho – eh nix!“ Obwohl man wusste, dass es anders war.

In den vergangenen Jahren hörte man immer öfter: „I halt des nimmer aus!“ Viele sind gegangen – Kollegen, Freunde, auch ich. Es bleibt eine gewisse Leere zurück: Hat man es nicht geschafft? Hat man sich nur für die bessere Lebensqualität entschieden? Eigentlich verwerflich, solche Gedanken! Du hast doch gesagt… Die anderen zurücklassen. Vor wenigen Tagen hat ein ehemaliger Kollege im Dienst einen Schlaganfall erlitten. Schlimm. Ein anderer sagte mir: „Mich hat´s auch bald!“

viele Fragen

Ja, was soll aus den Kranken in Weiß noch werden? Wie schaut es hinter Spitalstüren aus? Als eigener Chef in der Ordination? Zugegeben, mehr Gehalt, mehr Freizeit – aber man nimmt die Arbeit mit nach Hause, mehr Einsamkeit, mehr Einzelkämpfer – und das finanzielle Risiko. Hab ich eh alles gemacht? Kein Zweiter, der sagt: „Passt schon!“
Wie schaut es hinter den Landesgrenzen aus? Alles besser ? Will das wirklich jeder, wegen Geld seine Heimat verlassen, wenn das Abenteuer lockt?

Mit diesen Gedanken wollte ich dann einschlafen, aber es ging nicht….

Diese Woche wieder viele Patienten. Du kannst nicht die ganze Welt retten! Du wirst wieder Patienten abweisen müssen, denk ich mir. Dabei fühle ich mich schlecht. „Geht no ana?“, fragt die Ordinationsassistentin. „Naja“, sage ich und denke an meinen Kollegen im Spital. „Geht scho“, sag ich und meine eigentlich nein. Ich wollt eigentlich einen persönlichen Umgang mit meinen Patienten. Doch es wird immer dichter, immer mehr. Im Hinausgehen rufe ich dem Patienten nach: „Des wird scho!“ und eigentlich wollte ich sagen: „Schauen S´, erzählen Sie mir des mal genau.“
Ja, schlafen wollte ich eigentlich. Neben mir das konstante Brummen meines Handys, wenn wieder eine neue Nachricht auf Facebook kommt. Brummen? Da fällt mir ein, dass einmal einer gesagt hat, dass wir uns gerade wie Problembären aufführten. Streiken wollen die! Eigentlich wollen sie nur ein Gesetz einhalten…

Was soll´s! Was auch immer geschehen wird, es ist nichts wie es war. Hier kommt eine PN (persönliche Nachricht, Anm.) vom Primar Soundso und Turnusarzt antwortet. Geh, lieber Präsident, könntest du nicht, usw. Ein soziales Netzwerk – virtuell, aber doch real. Wir haben uns auch schon real getroffen – echt!

Was ist geschehen? Aus den Göttern sind Menschen geworden, die müde werden nach einem Nachtdienst, die ihre Kinder mal sehen wollen, die ihren Partner nicht alleine lassen wollen, die Zeit für ihre Patienten haben wollen, die sie wieder als Menschen erkennen wollen und nicht als Fälle.

Liebe Menschen in Weiß: Es gibt kein oben und unten, es gibt ein Füreinander für uns und unsere Patienten!
Gut, denke ich mir, es wird nicht mehr wie früher. Es wird besser – und schlafe ein.
Licht aus. Opt on (ich wähle das Leben!), gute Nacht!

Dr. Christian Prorok ist niedergelassener Urologe in Wels

Sie haben vor einiger Zeit an jeden in Oberösterreich tätigen Spitalsarzt ein persönliches Schreiben gerichtet.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Sie haben vor einiger Zeit an jeden in Oberösterreich tätigen Spitalsarzt ein persönliches Schreiben gerichtet. Das Thema darf ich als bekannt voraussetzen. Für etwaige andere Leser sei nur kurz erklärt, Sie haben uns, wie Sie es sehen, gebeten, unter Umgehung der seit 1.1.2015 gültigen EU-Gesetzgebung, zuzustimmen, bis 2021 (!) weiter wie bisher bis zu 72 Wochenstunden zu absolvieren.

In der Folge will ich mich mit den Argumenten, die Sie im Brief anführen, auseinandersetzen. Da Sie seither über diverse Medien Ihre Sicht der Dinge auf eine Weise transportiert haben, die eher zu hinterfragen ist, werde ich an dieser Stelle auch auf diese Methodik Bezug nehmen. Sie sind Politiker, Sie sind fraglos Profi hinsichtlich medial geschickter Formulierungen. Daher müssen Sie sich auch gefallen lassen, dass man diese so transportierten, sehr kreativ interpretierten Halbinformationen ein wenig „seziert“.

1) Sie haben ihn medial als „persönlich“ angekündigt. Was dann irgendwann in meiner Mailbox aufgeschlagen ist, hatte die „Persönlichkeit“ einer Postwurfsendung der Einkaufskette, der ich einmal in einer schwachen Minute meine Daten verraten habe. Von Ihnen hätte ich neben wirklich schlagkräftiger Argumentation denn doch eine Annäherung an meine Person erwartet. Gut, ich sehe, das ist schwierig bei 3200 Adressaten. Aber dann machen Sie nicht so viel Wind um „eine persönliche Bitte“, die keine ist. Sie sind Politikprofi und wissen das.
2) Sie haben in diesem Brief moniert, dass unsere Vertretung, unsere Verhandler, die Ärztekammer, Ihr Angebot für eine Übergangsregelung noch im vergangenen Jahr abgelehnt hat. Dieses „Angebot“ umfasste im Wesentlichen eine Fortführung der bisher gängigen Arbeitszeitregelung. Ihre gleichzeitig in diversen Medien veröffentlichten Details einer Erhöhung der Vergütung der Nachtdienstüberstunden löste in der Bevölkerung Staunen darüber aus, dass wir eine 100% Erhöhung ablehnen. Nicht dazugesagt wurde, dass es sich infolge der Stundenberechnungen und infolge des Durchrechnungszeitraumes um wenige, einzelne Euro gehandelt hätte. Vielleicht. Wenn es im Durchrechnungszeitraum gepasst hätte. Also hätten Sie sich mehr oder weniger gratis unsere Zustimmung „eingekauft“, weiter bis zu 72 Wochenstunden zu arbeiten, wie bisher. Dass unsere Verhandler das abgelehnt haben, war in Ordnung und fand lückenlos unsere Zustimmung. Das Angebot war keineswegs „attraktiv“, wie Sie die Bevölkerung durch die Zeitung wissen ließen. Sie sind gleichzeitig Finanzreferent. Sie sind Politikprofi und wissen das.
3) Sie haben in diesem Brief gemeint, Ihr Angebot wäre uns nicht ausreichend detailliert übermittelt worden. Sie unterschätzen ein wenig unsere Fähigkeiten. Sie unterschätzen, wie genau wir uns Ihr Angebot durch den Kopf gehen ließen. Bis in die Details, von denen Sie meinen, wir hätten sie nicht erfahren. Bis in die Details, von denen Sie meinen, wir hätten Sie missverstanden. Nochmals: Sie unterschätzen uns und das zieht sich bis heute durch Ihr Verhalten uns gegenüber. Das wäre ja grundsätzlich verzeihlich. Aber ich habe den Eindruck, bei Ihnen handelt es sich um Absicht. Das ist nicht verzeihlich. Sie sind Politikprofi und wissen das.
4) Sie versprechen in diesem Brief eine umfassende Neuregelung der Ärztegehälter in der ersten Jahreshälfte 2015. Später haben Sie es medial auf Juni 2015 präzisiert. Nichtsdestoweniger eine denkwürdig kurze Planzeit, zumal Sie, ebenso wie Politiker in fast allen Bundesländern sich seit 2003 um eine entsprechend gerechte Lösung herumgedrückt haben. Ich erwarte an dieser Stelle Ihren Einwand, die Ärztekammer im Land ebenso wie die ÖÄK hätten auch zu wenig getan um die Situation zu verbessern. Das wird richtig sein, das hat sich aber in der Zwischenzeit geändert. Etwas später haben Sie, nach durchaus willkommenen Einwürfen der Pflege, medial eine Änderung Ihrer Paradigmata verbreitet: Sie wollen bis Juni (!) dieses Jahres eine Gesamtlösung für Pflege UND Ärzte. Das aber ist eine denkunmögliche Variante und zwar aus zwei Gründen: Erstens sind die Gehaltsstruktur und vor allem die nicht vollständig geklärten Änderungen, die sich im Berufsbild der Pflege derzeit abzeichnen, noch um einiges komplexer und damit schwieriger zu verhandeln als unsere Erfordernisse und zweitens haben Sie es bisher noch nicht einmal geschafft, ein „attraktives“ Angebot an uns auf Papier zu bekommen. Damit ist der Termin, den Sie nennen, in zweifacher Hinsicht unrealistisch. Herr Landeshauptmann, ich glaube Ihnen kein Wort. Sollten Sie das ernst meinen, bei all der angenommenen Verhandlungserfahrung die ich Ihnen zugestehe, müsste ich an Ihrer Seriosität zweifeln, denn das ist eines Landeshauptmannes unwürdig. Sie sind Politikprofi und wissen das.
5) Sie versprechen in diesem Brief eine Erhöhung der Grundgehälter vor allem für die Jungen. Ich stimme Ihnen zu. Sie meinen in diesem Brief, es sollen Verbesserungen im Gebührenwesen im Sinne einer gerechteren Verteilung erreicht werden. Ich stimme Ihnen zu. Der letztere Bereich hat meiner persönlichen Meinung nach Verhandlungsspielraum. Der erstere Bereich nicht mehr. Sie hatten 11 Jahre Zeit. Es war abzusehen, wann die Regelung schlagend wird und meine Vermutungen, warum man erst nach dem bewussten EuGH Urteil, 3 Monate vor dem Termin der verpflichtenden Normalisierung unserer Arbeitszeiten nervös wurde, sind nicht sehr freundlich gegenüber Ihnen als maßgebendem Vertreter der Politik, als Landeshauptmann/Finanzreferent/Gesundheitsreferent in Personalunion. Muss ich jetzt unbedingt die Frage stellen, wie Sie mit den fraglos vorhandenen Interessenskonflikten umgehen? Sie sind Politikprofi und Sie wissen das.
6) Auch wenn Sie der Meinung sind, es genüge, mit Juni 2015 eine Regelung zu diktieren, die Ihnen genehm ist, dann rückwirkend mit 1.1.2015 auszuzahlen damit kein finanzieller Nachteil entsteht, es geht eigentlich am Thema vorbei. Muss ich Sie tatsächlich daran erinnern, dass das Thema die nicht erträgliche Situation unserer Arbeitszeiten ist. Nicht die Ärzte sondern die Politik und damit Sie, transportieren zu jeder Zeit über die Medien, dass wir „weniger arbeiten wollen“. Das endet in Reaktionen der Bevölkerung wie in einem mir bekannten Beispiel: „ Die gierigen Ärzte, die sollen was hackeln“. Zitat weitgehend wörtlich. Dass damit praktisch allen Kollegen, die ihre Arbeit im Spital unter sehr schwierigen Bedingungen leisten, außerordentlich Unrecht geschieht, das haben Sie verursacht. Übrigens unter zunehmend schwierigen Bedingungen „dank“ Ihrer Gesundheitsreform, die Sie als Träger der Entscheidungen ohne jede Rücksicht auf die Träger der Leistung durchpeitschen; der Bevölkerung aber versprechen Sie keinerlei Auswirkungen auf die Qualität der angebotenen Leistung. Ich mache Sie darauf aufmerksam, die Träger der Leistung, das sind die Pflege und wir Ärzte. Nicht die Politik. Nicht Sie. Sie sind Politikprofi und Sie wissen das.
7) Ich habe Ihnen Recht gegeben bei der Frage, die Grundgehälter müssen angehoben werden. Sicherlich bei den Jungen mehr als bei den Älteren, aber ebenso sicherlich bei ALLEN. Ihr Angebot beinhaltet eine kaum vorhandene Steigerung der variablen Gehaltsanteile ohne Steigerung der Grundgehälter, wofür wir unser Einverständnis einer weitergeführten Maximalarbeitszeit bis zu 72 Stunden „verkaufen“ sollen. Bis 2021fallen diese Anteile sowieso weg. Und dann? Ihr bisheriger Umgang mit unseren Sorgen hat Sie radikal meines Vertrauens beraubt. Sie wollen einen Blanco-Scheck von mir, ohne dieses Vertrauen bisher auch nur IRGENDWIE gerechtfertigt zu haben. Notabene: Das größte Problem für uns alle, Junge wie Ältere ist die überbordende Arbeitszeit, die im Vergleich mit anderen vergleichbaren Ländern definitiv nicht ausreichend bewertet wird. Sie werden nicht ernstlich annehmen, dass Sie irgendjemanden dazu bringen, Ihnen zu vertrauen? Nach kalkulierten Spielen mit Einzelfällen sehr hoher Gehälter, die prompt in der Bevölkerung verallgemeinert werden. Sie bringen Primarärzte ins Spiel, wissend, dass diese dem AZG gar nicht unterliegen und daher von der EU Regelung gar nicht betroffen sind. Sollten Sie es nicht wissen, befragen Sie Ihre Informanten. Sie bringen Gehälter ins Spiel, die wie in meinem Fall, definitiv nicht der Realität entsprechen. Leider verschonen Sie uns mit einer genaueren Aufstellung, welche Gehaltsanteile Sie eingerechnet haben. Nochmals zum mitstenografieren für Ihre Sekretärin: Fast NIEMAND von uns will eine Weiterführung der Arbeitszeiten wie bisher. Der Gehaltsverlust, der sich daraus ergibt, resultiert aus der bisherigen Praxis, sehr geringe Grundgehälter mit extrem überbordender Arbeitszeit und Variablen wie Sonderklassegeldern bzw Ambulanzgeldern zu kombinieren. Übrigens auch zu nicht unbeträchtlichem Vorteil für die Arbeitgeber. Erlauben Sie mir ein Gedankenspiel: stellen Sie sich vor, eine beliebige EU Regelung und deren Umsetzung würde zB den Bauern von heute auf morgen etwa 25-40 % ihres Einkommens nehmen. Bei der darauffolgenden Sitzung des Bauernbundes mit Ihnen wär ich gern dabei, wenn Sie vorher über die Medien verbreiten, die Bauern verdienen eh so viel, belegbar mit den Zahlen einiger Spitzenverdiener, und im Übrigen wäre es Ihnen egal. Genug des Beispiels, es zeigt, dass der Verlust an Gehalt ausgeglichen werden muss und zwar durch Erhöhung des Grundgehaltes. Sie sind Politikprofi und wissen das.
8) Sie hoffen in diesem Brief auf unsere – ich zitiere wörtlich – „geschätzte Unterstützung im Sinne der Versorgung der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten.“ Herr Landeshauptmann, mit Verlaub, meine Patienten sind MIR anvertraut und nicht Ihnen. Man hat uns mehrmals darauf aufmerksam gemacht, unsere Loyalität gegenüber den Patienten erfordere die Unterschrift unter die Opt Out Regelung. Anders ausgedrückt, wenn wir nicht bis zu maximal 72 Stunden pro Woche arbeiten wollen, wenn wir nicht einen Dienst von 32 Stunden am Stück arbeiten wollen, notabene u U ohne Schlaf, dann sind wir unseren Patienten gegenüber illoyal? Diese Auffassung darf doch wohl nicht wahr sein. Das ist eine Zumutung. Ergo, an der sofortigen Umsetzung des EU Gesetzes führt kein Weg vorbei. Es tut mir dabei sehr leid, dass die Versäumnisse der vergangenen 11 Jahre bewirken, dass das nun als „plötzlich empfunden wird. Allerdings haben wir das Desaster nicht verursacht, und wir sind in der überwiegenden Mehrheit nicht mehr bereit, die Folgen einer epochal verfehlten Politik weiter zu ertragen. Sie sind Politikprofi und Sie wissen das.
9) Sie schreiben in diesem Brief weiter, Sie „schätzen unseren täglichen Einsatz für unsere Bevölkerung sehr“. Herr Landeshauptmannn, DAS glaube ich Ihnen sogar. Sie schreiben weiter – ich zitiere – „Es ist mir daher ein ehrliches Anliegen, den oberösterreichischen Ärztinnen und Ärzten gute Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen und ich hoffe, dass die offenen Fragen in guten Gesprächen rasch geklärt werden können“. Ich wollte Ihnen das zugestehen. Ich gebe freimütig zu, als ich heute aber in der Tageszeitung „Der Standard“ lesen musste, dass Sie eine Verkürzung der Nachtdienste auf maximal 25 Stunden, wie es übrigens dem Gesetz entspicht, für „unnotwendig halten“, ja, dass Sie Widerstand angekündigt haben, als ich beim Wiederlesen Ihres Briefes auf den oben zitierten Satz gestoßen bin, da ist mir mein Kragen geplatzt.
Herr Landeshauptmann, lesen Sie oben Ihren eigenen Satz!
Herr Landeshauptmann, vergleichen Sie mit Ihren „anderswo präsentierten Meinungen.
Herr Landeshauptmann, Sie sagen, der Brief wäre persönlich:

Herr Landeshauptmann, warum lügen Sie mich persönlich an?

Dr Michael Dolezal
Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin

Dieser offene Brief ging an Landeshauptmann Dr Josef Pühringer und alle für mich erreichbaren Büros der oberösterreichischen Parteien.

Alternative Heilmethoden

Als letztes Bundesland hatte Oberösterreich begonnen, über die Ärztearbeitszeiten zu verhandeln. Am 9. Dezember die erste Verhandlungsrunde anzusetzen für ein Problem, das bis 1. Jänner gelöst werden hätte sollen, das war – naja, nennen wir es mal so – grenzenlos optimistisch.

Es wird also Zeit für alternative Überlegungen:
Vorschlag 1: Mehr Nonnen und Mönche in die Krankenhäuser! Vielleicht klappt es ja mit dem „Gesundbeten“. Als ehemaliger Religionslehrer müsste sich unser Herr Landeshauptmann damit auskennen.
Vorschlag 2: Äpfel verteilen. Denn ein Sprichwort sagt „An apple a day keeps the doctor away“. Das würde auch das Absatzproblem der österreichischen Apfelbauern beheben. Und damit, was Ärzte fern hält, kennt sich die Landespolitik ja bestens aus.
Vorschlag 3: Das AMS bietet Umschulungen zum Wunderheiler an. Dann wird auch die Arbeitslosenstatistik wieder ansehnlicher.

Es tut mir leid, aber ich kann nicht ernsthaft bleiben bei diesem absurden Schauspiel. Und es wäre ja auch zum Lachen, ginge es nicht um die zusammenbrechende Gesundheitsversorgung hier bei uns in Oberösterreich.

Per Mail von einer Spitalsärztin aus OÖ

Nach dem Turnus von Oberösterreich nach Australien

2007 beendete ich nach drei Jahren meine Turnusausbildung am LKH Gmunden. In dieser Zeit in meinem Heimatbundesland lernte ich die Höhen und Tiefen des Turnusarzt-Daseins kennen, mit langen Arbeitstagen, endlosen Briefetippen und vor allem vielen, arbeitsintensiven Nachtdiensten.

Es gab bereits eine elektronische Arbeitsaufzeichnung und ich kann mich noch an die Wochenarbeitszeiten erinnern, die gesetzeskonform im Durchschnitt bei 60 Stunden lagen. 4 Nachtdienste innerhalb von 8 Tagen waren die Normalität (Freitag-Sonntag-Dienstag-Donnerstag) und gesetzlich erlaubt. Dies bürdete man sich auf, wenn man im selben Monat mehr als eine Woche frei haben wollte, da es nur selbstverständlich war, dass man in den Rest des Monats irgendwie ein Maximum an Diensten basteln musste. Überstunden wurden teils pauschaliert, teils zu einem niedrigen Stundensatz bezahlt. Das Einkommen lag im Zeitraum 2004 bis 2007 zwischen 1.800 und 2.400 € netto, abhängig von Dienstanzahl und Sonderklassegebühren.

Dann ab nach Australien

Im Sommer 2007 ein schlagartiger Wechsel in ein anderes System: Als Resident Medical Officer im 2. Jahr (so wurde ich eingestuft) arbeitete ich in einem großen Spital in Perth in Westaustralien.

Mir wurden in den verschiedenen Rotationen (Plastic Surgery, Cardiology, Emergency Department, Neurology und eine Rotation war ich „Springer“) jeweils zu Beginn mein Dienstplan („Roster“) für die kommenden zehn Wochen vorgelegt. Ausgehend von einer 38-Stunden-Woche wurde man stundenweise bezahlt, aber natürlich abhängig von der Tageszeit und vom Wochentag (am besten waren die Nachtstunden an den Wochenenden bezahlt mit bis zu 100 Prozent Aufschlag) und ab der 39. Stunde galt alles als Überstunde. Die tatsächlich gearbeitete Wochenarbeitszeit bewegte sich bei 45 bis 50 Stunden. Dienste durfte man tauschen, wenn man selber einen Tauschpartner gefunden hatte. Urlaub war problemlos möglich, da dafür die Springerdienste genau deinen Dienstplan übernehmen mussten. Es gab auch gut bezahlte Rufbereitschaft, sogenannte „On-call“. Diese wurde grundsätzlich mit einem Drittel des normalen Stundensatzes bezahlt und, falls man etwa wegen der Erkrankung eines Kollegen oder dem hohen Arbeitsaufkommen in der Notaufnahme einspringen musste, wurden die Überstunden natürlich extra ausbezahlt. Dies führte zu einem guten, aber auch leistungsabhängigen Verdienst von durchschnittlich (netto) AUD 6.500 (umgerechnet mit dem damaligen Kurs: 3.800 €) pro Monat. Der Stundensatz erhöht sich etwa um 10 Prozent jedes weitere Jahr, das man in Australien arbeitet. Wenn man in die Facharztausbildung wechselt oder schließlich Facharzt ist, kommen andere Gehaltsschemata zum Tragen. Ich sollte aber auch erwähnen, dass Fachärzte, die in einem Spital arbeiten, sehr hohe Gehälter bezahlt bekommen, die ihnen offenbar kaum jemand neidet. Ein junger Kardiologe, 35 Jahre alt, hat mir von seinem letzten Jahresgehalt berichtet, umgerechnet 230.000 € brutto.

Der Verdienst war aber nur die eine Seite der Medaille…

…die andere Seite waren die angenehmen Arbeitsbedingungen und die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit in einem Krankenhaus. Man hatte direkte Ansprechpartner bei den Fach- und Assistenzärzten, eine klare Pausenregelung selbst im größten Stress und es kam, neben der auch in Australien stark ausgeprägten Bürokratie, das „bedside teaching“ nicht zu kurz. Australien erlebte, ähnlich wie nun Österreich, einen selbst provozierten Ärztemangel, weshalb das Land bis vor wenigen Jahren sehr viele Ärzte aus der ganzen Welt aufnahm. Häufig war natürlich das hohe Einkommen neben dem sehr angenehmen Lebensstandard der ausschlaggebende Grund, dass Ärzte vor allem aus Süd- und Südostasien sowie Europa in Australien zu arbeiten begannen. Diese Arbeitsmigration wurde in den Medien positiv dargestellt und es wurde immer wieder betont, wie anstrengend die Arbeitsumstände für das gesamte Kankenhauspersonal wären.

Ich bin aber, nachdem ich ein Jahr lang meine Defizite aus dem Turnus ausgleichen konnte und das selbstständige und selbstverantwortliche Arbeiten erlernen durfte, aus persönlichen Gründen wieder nach Österreich zurück gegangen und arbeite mittlerweile als Facharzt in einem Wiener Gemeindespital. Von der guten Organisation und Planbarkeit des Arbeitstages und dem vergleichsweise sehr hohen Gehalt träume ich jetzt manchmal noch.

Dr. Matthias Reisinger

Ich denke, so kurz nach Weihnachten darf man sich noch einmal etwas wünschen …

Auch die Ehefrau des Autors hat einen Brief geschrieben – diesen finden sie hier

Hier mein ´persönlicher´ Brief an den LH:

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Pühringer !
Danke für Ihren von unserem Vorstandssekretariat (BHS Linz) weitergeleiteten, „persönlich“ an mich gerichteten Brief!

So sehr ich mich auch bemühe, ich kann nichts anderes als Betroffenheit und Enttäuschung über so wenig Wissen und Verständnis für die Situation von uns Spitalsärzten empfinden! Ich habe darüber nachgedacht, warum das so sein könnte:
Als Chorsänger hatte ich schon mehrmals die Gelegenheit, sie persönlich zu erleben – zuletzt am 8. November bei „Steyr singt“. Ehrlich: Ich habe selten so eine gute, engagierte und empathische Rede gehört wie die Ihre an diesem Abend! Sie erwähnten, wie sehr Sie das Engagement, das Können und die Leidenschaft für die Musik der Chorsänger und der Chorleiter bewundern würden – vor allem deshalb, weil sie jahrelang selbst Mitglied im Trauner Chor gewesen wären, und wüssten, wovon Sie reden!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, ich glaube, genau in diesem Punkt liegt unser gemeinsames Problem: Ich bin überzeugt, wenn sie die letzten 20 Jahre an meiner Seite im Krankenhaus verbracht hätten, dann würde ich jetzt einen völlig anderen Brief vor mir liegen haben!

Etwa so:
Sehr geehrter Herr OA Dr. Nell!
Es ist mir schon lange ein Bedürfnis, Ihnen persönlich zu schreiben und ich bin froh, nun endlich die Gelegenheit dazu zu haben!
Als Erstes möchte ich mich bei Ihnen Entschuldigen! Ich fühle mich mitverantwortlich für all die Anstrengungen, Entbehrungen und Härten, die Sie, vor allem aber auch Ihre Familie, in den letzten 20 Jahren erleben bzw. erleiden mussten!
Ich weiß, dass Sie vor allem in den ersten Jahren oft mehr als 100 Stunden im Krankenhaus verbringen mussten, egal ob ein Familienmitglied krank oder verzweifelt war! Ich weiß, es war hart für Sie, wenn sie oft so lange von zu Hause weg waren, dass Ihre kleinen Söhne Sie kaum mehr kannten oder einfach traurig waren, weil der Papa wieder einmal für ewig weg muss!
Ich weiß es zu schätzen, dass Sie damals Ihre Patienten nicht alleine ließen, auch wenn mir heute bewusst wird, dass es sehr wohl Alternativen gegeben hätte. Schließlich gab es damals mehr als genug junge Ärzte. Ich gebe ja zu, dass es damals zu verlockend war, Ihre Sorge um den Job auszunutzen, und Sie um einen lächerlichen Stundenlohn unverantwortlich lange arbeiten zu lassen! Ich weiß auch, dass es unglaublich anstrengend sein kann, mitten in der Nacht unter Stress und Adrenalinausstoß um die Gesundheit – manchmal um das Leben – eines Kindes kämpfen zu müssen. Ich bin Ihnen für jedes gesunde Kind unendlich dankbar. Schließlich sind die Kinder jene, die in Zukunft Steuern, Sozialversicherung und Pensionen für uns bezahlen müssen!
Nun ist mir auch klar, dass die enorme Verantwortung, die immer wieder auf Ihren Schultern lastet, mit Geld unmöglich auszugleichen ist. Das persönliche Engagement und die Freude am Beruf von Ihnen und vielen Ihrer Kollegen hat trotz, wie ich leider erst jetzt erkannt habe, äußerst schwieriger Rahmenbedingungen ein Zusammenbrechen der Patientenversorgung in OÖ verhindert!
Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie durchgehalten haben! Ich schätze Ihre Arbeit als erfahrenen Oberarzt und wäre sehr froh, Sie für weitere 20 Jahre gewinnen zu können!
Ich kann leider nicht mehr gutmachen, was unser Gesundheitssystem Ihnen in der Vergangenheit angetan hat, aber ich verspreche Ihnen, alles Erdenkliche zu unternehmen, um Ihnen in Zukunft ein menschenwürdiges und freudvolles Arbeiten zu ermöglichen!
Als erster Schritt wird nun endlich die Wochenarbeitszeit auf ein erträglicheres Ausmaß reduziert. Ich bin so wie viele andere dem Irrtum erlegen, dass Ärzte keine Menschen wie ‚du und ich‘ sind und ihnen deshalb mehr als der restlichen Bevölkerung zuzumuten ist.
Ich möchte ausgeruhte und gesunde Ärzte und ich werde so rasch wie möglich dafür sorgen, dass für Sie und Ihre Kollegen selbstverständlich eine Normalarbeitszeit von 40 Stunden gilt!
Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Oberösterreich für Ärzte, auch international gesehen, ein sehr attraktives Arbeitsumfeld darstellen wird! Wir werden jeden einzelnen Arzt dringend benötigen!
Wenn Sie mir erlauben, werde ich mit sofortiger Wirkung die Grundgehälter um 1200 € anheben! Ich habe eingesehen, dass das von Ihren Standesvertretern vorgeschlagene Maßnahmenpaket alternativlos ist!
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie frohe Weihnachten und Gesundheit im neuen Jahr!
Mit freundlichen Grüßen!
Ihr Landeshauptmann …

… Sehr geehrter Herr Dr. Pühringer!
Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie darauf vertrauen würden, dass wir Ärzte sehr wohl wissen, wie unser Gesundheitswesen gesund bleiben bzw. werden könnte. Schließlich liegt uns selbst am meisten daran! Ich weiß, dass für viele meiner Kollegen die Faszination am Beruf und die Freude am Helfen mehr Antrieb bedeutet als kurze Arbeitszeiten und Geld! Genau diese Einstellung hat aber dazu geführt, dass sich ein System entwickelt hat, das letztendlich nicht nur uns, sondern auch unseren Patienten schadet.
Ich garantiere Ihnen, dass ich auch in Zukunft – bei entsprechenden Rahmenbedingungen – all meine Kraft und meine Fähigkeiten für das Wohl meiner Patienten einsetzen werde!
Ich garantiere Ihnen aber auch, dass wir Ärzte uns weder durch Neiddebatten noch durch unseriöse Versprechungen in unserer Einheit beeinträchtigen lassen werden!
So hoffe ich, dass Sie im nächsten Jahr – nach für beide Seiten erfolgreichen Verhandlungen – eine ähnlich begeisterte und wohlwollende Rede vor uns Ärzten halten werden wie ich sie als Chormitglied erleben durfte!

Mit freundlichen Grüßen!
Dr. Gerhard Nell, Kinderarzt am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz

Nach 20 Jahren Ehe mit einem Arzt…

Auch der Ehemann der Autorin hat einen Brief geschrieben – diesen finden sie hier

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,

Sie richteten vor Weihnachten einen „persönlichen“ Brief an meinen Mann, Kinderarzt und Kinderkardiologe bei den Barmherzigen Schwestern in Linz.
Da seine Arbeitssituation auch mein Leben seit 20 Jahren maßgeblich prägt, erlaube ich mir eine Stellungnahme, vor allem weil Ihr Brief mich in der „schmerzlichsten“ Zeit des Jahres traf: Während andere mit der Familie selbstverständlich Weihnachten, Silvester feiern und mit Kindern Skifahren, ist das bei uns Jahr für Jahr eine Zitterpartie: Gibt es überhaupt Tage, die wir als Familie aktiv gemeinsam verbringen können? Oder bleiben wieder nur Tage, an denen mein Mann übermüdet Großfamilientreffen „absitzt“, weil er einen Nachtdienst nach dem anderen leisten muss? Schließlich haben viele niedergelassene Ärzte geschlossen, weshalb die Ambulanzen überfüllt sind (Winter ist Infektionszeit, was vor allem auf den Säuglings- und Kinderstationen bemerkbar ist) und auf der anderen Seite möchte jede/r Spitalsarzt/Spitalsärztin ein paar Tage frei haben, also arbeitet man die restlichen Tage doppelt so viel für die Kollegen/Kolleginnen. Glauben Sie mir, Herr Landeshauptmann, die freien Tage sind geprägt von Müdigkeit, weshalb wir seit mehr als 20 Jahren nicht mehr wirklich Silvester gefeiert haben, auch wenn mein Mann nicht Dienst hatte. Unsere beiden Söhne (mittlerweile 16 und 18 Jahre alt) können ein Lied davon singen, was es heißt, „Spitalsarzt“ zu sein, weshalb für beide völlig ausgeschlossen ist, Medizin zu studieren, denn sie möchten einmal Familie und Feiertage genießen können!!!

Ich habe es so satt: Die Diskussion um die Arbeitszeiten und die Diskussion um die hohen Gehälter der Ärzte! Hier die Wahrheit über den Alltag eines 46-jährigen Kinderarztes:
Zu Beginn seiner Tätigkeit im Krankenhaus (1994) leistete er oft 120 Wochenstunden mit einem Stundenlohn von knapp 10 Euro! Wir wohnten mit zwei kleinen Kindern in einer 70-m²-Wohnung in Linz, bekamen von den Banken keinen Kredit für eine Eigentumswohnung oder ein Haus, aufgrund des geringen und unsicheren Einkommens(!), und ich konnte nicht mehr im gewünschten Ausmaß in meinen Beruf zurückkehren, obwohl auch ich eine akademische Ausbildung habe, da sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit einem Arzt als Mann und ohne helfende Großeltern als einzige große Lüge herausstellte.

Mit den ersten Arbeitszeitdiskussionen (60-Stunden-Woche) änderte sich unter anderem, dass bestimmte Tätigkeiten nicht mehr im Krankenhaus, sondern zu Hause gemacht wurden, was sich derzeit fortsetzt. Für unsere Familie zählen jedoch nicht die Stunden, die vom Krankenhausvorstand gezählt werden, sondern die tatsächlichen Arbeitsstunden, also auch folgende Zeiten:
• Fortbildungstage und Arbeitsgruppensitzungen. Im Jahr 2014 waren das 22 Tage bzw. Abende und 9 Nächte, die mein Mann deshalb nicht bei seiner Familie sein konnte.
• Vorbereitung von Vorträgen: 3 im Jahr 2014, die im und für das Krankenhaus geleistet wurden, jedoch an zahlreichen Abenden und Wochenenden zu Hause vorbereitet wurden, da es sich nicht um „Schulreferate“ handelte, sondern dafür z.B. unterschiedliche Herzgeräusche aufgenommen und zusammengeschnitten worden sind, um sie akustisch zu präsentieren usw.
• Erstellung von Dienstplänen für die 10 KollegInnen seiner Abteilung – auch dafür hat mein Mann im Krankenhausdienst nicht die nötige Zeit und Ruhe. Derzeit verschlingt die Dienstplanerstellung jedoch Unmengen an Stunden! Wussten Sie übrigens, dass bei Ärzten schon seit Jahren Feiertage mit null Stunden berechnet werden? (Im Unterschied zu anderen Berufstätigen, wo Feiertage wie Urlaubstage berechnet werden.)
• Zahlreiche Telefonate, die von zu Hause aus getätigt werden, um sich über Laborbefunde und das Befinden von Kindern zu erkundigen, die von ihm betreut werden uswusf.

Zähle ich diese Zeiten alle zusammen (so wie für Sie das früher als Religionslehrer vermutlich selbstverständlich war), komme ich immer noch auf eine Arbeitszeit, die weit über der bisher erlaubten 60-Stunden-Grenze liegt, mit einem unfassbar geringen Stundenlohn, vor allem auch angesichts der außergewöhnlichen Belastung – nehmen Sie sich doch einmal die Zeit und begleiten Sie eine Ärztin oder einen Arzt bei einem Notfall im Kreißsaal!
Mittlerweile wohnen wir zwar in einem Haus, allerdings im Bezirk Steyr-Land, da Linz für uns nicht leistbar gewesen wäre, und mein Mann pendelt mit dem Zug nach Linz. Wir besitzen zwei für uns leistbare Autos, nämlich einen Skoda Fabia und einen Skoda Octavia. Unsere Freunde fahren auf Urlaub nach Thailand und Afrika, wir fahren seit Jahren nach Zell am Moos am Irrsee. Ich hätte aufgrund meiner Verspannungen gerne eine neue Matratze, derzeit kann ich sie mir nicht leisten, da ein paar Hausreparaturen fällig waren, die für uns, so mein ganz sicher nicht unbegründeter Verdacht, immer etwas teurer sind. Ich nenne das den „Ärztezuschlag der Handwerker“, denn als Arztfamilie gelten wir als die „Gstopften“.

Wir sind es nicht. Wir sind auch nicht arm, aber unser Familieneinkommen liegt nicht dort, wo sich die Bevölkerung das vorstellt und die Auswirkungen der Arbeitszeiten sind ebenfalls für Außenstehende nicht vorstellbar! Ich musste Zeiten erleben, in denen meine Kleinkinder weinten(!), weil Papa wieder Nachtdienst hatte, wieder nicht nach Hause kam, sie ihn wieder nicht sehen, fragen, sprechen konnten… Und noch heute gingen sich bei den Übungsfahrten für den L-17-Führerschein unseres Sohnes ganz genau vier Fahrten mit seinem Vater aus, von insgesamt 114 Übungsfahrten!!!

Mein Mann liebt seinen Beruf, anders wäre die Situation nicht auszuhalten, allerdings leidet er zunehmend unter den Folgen der Nachtdienste. Deshalb (und nicht um sich zu bereichern!!!) begann er vor fünf Jahren mit einer kleinen Wahlarztpraxis, in der Hoffnung, sich dadurch leisten zu können, auf ein paar Nachtdienste zu verzichten. Aufgrund des zunehmenden Ärztemangels ging diese Rechnung leider nicht auf. Mit den geringen Ordinationszeiten (ein Nachmittag und ein Abend pro Woche) können nicht einmal jedes Monat die Fixkosten gedeckt werden. Nur weil wir die Ordination als „Familienbetrieb“ führen (ich versuche am Telefon und am Computer möglichst alles zu organisieren und zu klären, was nicht unbedingt in der Ordination sein muss) können wir hoffentlich bald das Ultraschallgerät abzahlen und dann wieder zusperren, obwohl im Raum Steyr der Bedarf an KinderärztInnen groß wäre. Früher hatte ich nie gehört, dass eine Wahlarztpraxis geschlossen wird, nun kenne ich schon drei Kinderärzte, die aufgrund von Arbeitsüberlastung bzw. zu hoher Fixkosten wieder aufgehört haben. Wir werden die nächsten sein.
Ja, auch ich kenne Ärzte, die wirklich viel verdienen. (Aus meiner Sicht angemessen an den außerordentlichen Berufsalltag!) Aber interessant, dass Sie ausgerechnet jetzt – wo alle mit Verdiensteinbußen rechnen müssen – diese Unterschiede hervorstreichen und auf sie aufmerksam machen. Ist das politische Taktik, um die Einigkeit der Ärzte bezüglich Arbeitszeitgesetz zu stören, um Unfrieden und Neid zu schüren? Hätten Sie als Gesundheitsreferent nicht schon längst diese Ungleichverteilung beseitigen können? Aber Ihren Vorschlägen bezüglich einer Umverteilung der Ambulanzgebühren trauen selbst wir nicht, denn mein Mann bekommt so gut wie keine Ambulanz- und Sondergebühren, was sollte ihm da selbst eine 100-prozentige Steigerung bringen?
In Bezug auf die Arbeitszeiten wäre eine große Erleichterung, wenn die Ambulanzen und Telefondienste der Ärzte nicht mehr „missbraucht“ werden würden. Ich kann es nicht fassen, wenn mein Mann beispielsweise erzählt, dass er in der Nacht von einer Großmutter angerufen wird, ob sie ihrem Enkelkind ein zweites Kakaofläschchen machen darf oder ob das zu viel ist. (Und die sich ärgert, wenn er nur kurz angebunden antwortet, obwohl sie die Leitung besetzt, wo er vielleicht fünf Minuten später im Sprint in den Kreißsaal hetzen muss, um ein Neugeborenes zu reanimieren.) Wenn ihn eine Mutter fragt, ob sie ihrem Kind neue Schuhe kaufen soll, weil es von den alten eine Blase bekommen hat. Wenn manche Eltern grundsätzlich bei jeder Kleinigkeit (ob Insektenstich oder Fieber) ins Krankenhaus kommen, weil ihnen niemand klar macht, dass der erste Weg eigentlich zu einem/einer niedergelassen Arzt/Ärztin wäre…

Wie hält man diese unglaublichen Arbeitszeiten so lange aus? Eben leider nicht: Mein Mann leidet seit Jahren an Bluthochdruck und Schlafstörungen. Er ist überzeugt, nicht alt werden zu können, aber aus Liebe zu seinem Beruf bleibt er im Krankenhaus. Und aus Liebe zu ihm, bin ich immer noch nicht geschieden, obwohl ich ursprünglich Feministin war, die sich nie vorstellen hätte können, einmal auf Halbe-Halbe zu verzichten, sich in totale finanzielle Abhängigkeit zu begeben, zu ertragen, als „Gstopfte“ betrachtet zu werden und doch auf alten Matratzen liegen zu müssen…
Was bleibt, ist die Trauer meines Mannes, so viel unwiederbringlich versäumt zu haben: Zeit mit der Familie, Zeit für und mit den eigenen Kindern…

Und aus Verantwortung für die nächste Generation wird mein Mann niemals ihrem Opt-Out-Vorschlag zustimmen.
Mitverantwortlich für unsere Situation mache ich Ihre jahrzehntelange Untätigkeit als Gesundheitsreferent. Ich mache Sie auch verantwortlich für das verzerrte Bild, das derzeit über Medien der Bevölkerung vermittelt wird.
Ich habe keine große Hoffnung, dass sich die Arbeitssituation wesentlich bessert (denn mein Mann wird seine Patientinnen und Patienten nicht im Stich lassen und weiter immer mehr Tätigkeiten in die „Freizeit“ verlagern), aber ich bitte Sie:
Ermöglichen Sie uns zumindest, weiterhin unsere Kredite zurückzahlen zu können!
Und beenden Sie die mediale Hetze gegen die Ärzte mit ihren hohen Gehältern, informieren Sie sich doch lieber über die idealistischen, überarbeiteten Ärzte mit den niedrigen Gehältern, die derzeit mit Ihrem Opt-Out-Vorschlag in einem unerträglichen Ausmaß erniedrigt werden!

Freundliche Grüße,
Mag. Birgit Nell

Brief einer besorgten Mutter an den Landeshauptmann

Sehr geehrter Herr LH Dr. Pühringer!

ICH hoffe, Sie haben Zeit, diese Zeilen zu lesen. Die Infobroschüre der Ärztekammer kann ich zur Gänze und mit vollem Inhalt unterzeichnen. ENDLICH unternimmt die ÄK in Verbindung mit einer einheitlich auftretenden Ärzteschaft etwas, denn es ist leider schon „5 Minuten nach 12!“
Ich bitte Sie um mehr Verständnis für die Probleme der Mediziner.

ICH war von 1975 bis 2013 (insgesamt 38 Jahre) im Pflegeberuf beim Land OÖ. bzw. bei der Gespag tätig. Durch meinen Beruf als DGKS konnte ich die Strukturveränderungen hautnah erleben. Die Arbeitsbedingungen der Ärzte sind unmenschlich!
Turnusärzte waren immer Systemerhalter, aber jetzt gibt es fast keine mehr. Nun hört man, dass Schwestern herangezogen werden, das System zu erhalten. Das ist eine unzufriedenstellende Lösung.
Es ist zweifelhaft, z.B. durch stetige teure bauliche Veränderungen (Um-, Anbau von Stationseinheiten in Spitälern mit letztlich wiederum Schließung…) das Gesundheitssytem auf hohem Niveau halten zu wollen und dafür keine gut ausgebildeten Ärzte mehr zu haben.

ICH bin die Mutter einer Ärztin.
Meine Tochter hat Medizin studiert, ich war sehr stolz. Doch der Preis dafür ist sehr hoch! Eingeschränktes Privatleben, gesundheitsschädigende Bedingungen, Grenzen überschreitende Belastbarkeit bei steter Verantwortung und einem Gehalt, das unwürdig ist.
Ich habe die belastende Turnuszeit meiner Tochter erlebt, indem ich sie oft sehr erledigt sah. Bei der Heimfahrt vom Nachtdienst nach 15 Uhr hat sie mir mit tränenunterdrückter Stimme und Übermüdung vom Dienst berichtet. Ich habe ihre Überforderung durch das Krankenhaussystem trotz ihrer starken Grundhaltung gespürt. In welchem Beruf gibt es solch katastrophale Zustände?
Auch anschließend, als Assistenzärztin, sind die Anforderungen groß – hohe Belastbarkeit und Ausbildung in der Freizeit werden gefordert. Wie lange hält man das aus? Nun bitten Sie meine Tochter wieder, freiwillig länger zu arbeiten?
NEIN!

Herr Dr. Pühringer, bitte bringen Sie mehr Verständnis für die Ärzte auf! Diese geben ihr Bestes und wir brauchen sie!

Hochachtungsvoll:
-eine besorgte Mutter
-eine ehemals pflichtbewusste Krankenschwester
-eine, in der Hoffnung, sich in einem oö. Krankenhaus weiterhin gut versorgt zu wissende Frau (nicht nur im Notfall)

Danke für ihre Zeit!

Mit freundlichen Grüßen
Bad Ischl, am 28.12.2014
Maria Schlager

Offener Brief an Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Als Sie über die Medien ankündigten allen Spitalsärzten einen persönlichen Brief zu schreiben, war ich gleichzeitig überrascht und neugierig.
Überrascht, weil ich nicht erwartet hätte dass Sie als Landeshauptmann überhaupt genügend Zeit dafür finden würden, jedem Arzt persönliche Zeilen zu widmen. Neugierig, weil Sie uns bzw. mir eventuell neue Fakten darlegen würden, die mich überzeugen könnten, doch das laut Ihren Angaben attraktive Angebot anzunehmen.
Meine Reaktion auf Ihr Schreiben war dann eine andere, nämlich schlicht Enttäuschung, physisch durch Kopfschütteln zum Ausdruck gebracht.

Ich werde nun einen Teil meiner geringen Freizeit dafür aufwenden, Ihnen als Landeshauptmann, Gesundheits- und Finanzreferent des Landes OÖ meine persönliche Antwort zu schreiben, um Ihnen mitzuteilen, was ich über Ihr Angebot denke.
Zu allererst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen – ich bin ein echter Linzer, hier geboren und aufgewachsen, die Schulen besucht und zwecks Medizinstudium nach Wien gegangen. Danach gleich wieder nach Linz zurückgekehrt, um in einem geistlichen Haus den Turnus zu absolvieren, trotz der Möglichkeit für einen sofortigen Berufseinstieg an der Med. Uni Wien. Ich hatte nach vollendeter Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin an drei verschiedenen hochangesehenen Abteilungen im Linzer Zentralraum Stellenangebote, obwohl 2010 die Situation noch eine etwas andere war als 2014.
Ich habe mich dennoch bewusst für die Ausbildung zum Unfallchirurgen an einem Gespag-Standort in der Peripherie (LKh Freistadt) entschieden, obwohl es im damaligen Kollegen/Freundeskreis auf teilweises Unverständnis stieß.
Zu keinem Zeitpunkt habe ich diese Entscheidung bisher bereut. Das kleine Team, die kollegiale Atmosphäre zwischen den einzelnen Abteilungen und der abwechslungsreiche Arbeitsalltag sind nur ein paar Argumente, warum ich gerne „dort am Land“ arbeite.
Bis zum Ende meiner Facharztausbildung verbleiben mir nur noch knapp zehn Monate, und zunehmend verspüre ich nur noch eines – Frustration.

Frustration darüber, als Teil der Ärzteschaft in keiner Weise von Ihnen als Gesundheitsreferenten ernst genommen zu werden.
Frustration darüber, dass es von politischer Seite keine Wertschätzung gibt, welche Arbeit tagtäglich in den gespag Spitälern und darüber hinaus geleistet wird bzw. diese nicht marktkonform honoriert wird.
Frustration darüber, dass das wirtschaftlich reichste Bundesland Österreichs, welches Sie wo immer möglich stolz repräsentieren, offensichtlich kein Interesse hat, auch hinsichtlich des medizinischen Leistungsspektrums an erster Stelle zu sein.
Frustration darüber dass unser aller Steuergeld neben unermesslich teuren Kulturstätten in den Neubau einer med. Fakultät fließt, deren Sinn ich für mich persönlich hinterfrage; Kultur ist zweifellos wichtig, aber ist es bei der Medizinischen Versorgung der Landsleute nicht so?

Frustration darüber, dass wir sehenden Auges in eine medizinische Unterversorgung steuern, die durch kluge politische Steuerung vermeidbar wäre. Stattdessen wird von den Ärzten weiter gefordert, das geltende EU-Recht zu brechen oder zumindest bis aufs Äußerste zu verbiegen.
Frustration spiegelt meine aktuelle Gefühlslage wider, trotz oder gerade wegen der Tatsache einer beinahe abgeschlossenen Ausbildung zum Facharzt für Unfallchirurgie. Ich bin 35 Jahre alt und werde mein Arbeitsleben ausschließlich im Spital verbringen, vermutlich noch einmal für die Anzahl meiner bisherigen Lebensjahre.
Angesichts der Tatsache, dass es von Ihrer Seite keinerlei Anstrengungen gibt, entsprechende Anreize zu setzen für eine dauerhafte Lösung des zunehmenden Ärztemangels, verstärkt sich dieses Gefühl zunehmends – unter KollegInnen quer durch alle Spitäler und Abteilungen.

Die von Ihnen in den Medien veröffentlichten Durchschnittsgehälter kann ich in keinster Weise nachvollziehen und ich finde es befremdlich, dass durch die von Ihnen dargestellten Summen einerseits eine Neiddebatte in der Bevölkerung provoziert wird, andererseits die Veröffentlichung der realen Gehälter bewusst vermieden wird, und somit für Außenstehende kein fairer Vergleich möglich ist.
Im Gegenzug bitte ich Sie, legen Sie ihr Gehalt und das Ihrer engeren Mitarbeiter inklusive sämtlicher Zulagen offen, um der Bevölkerung einen Vergleich zu gestatten.

Wenn Sie in Ihren über die Medien verbreiteten Aussendungen darüber sprechen, für die jüngeren Ärzte Verbesserungen einführen zu wollen, dann sollte ich mich dadurch direkt angesprochen fühlen, ich bin sozusagen die Zielgruppe Ihrer Bemühungen. Aber um ehrlich zu sein, ich fühle mich garnicht angesprochen, sondern eher verkauft.
Wo ist Ihr attraktives Angebot für Assistenzärzte wie mich? Ich soll durch meine Unterschrift zum Opt Out weiterhin wie bisher die Wochenarbeitszeit auf bis zu 72h ausdehnen, im Gegenzug würde ich zwischen 23 und 29€ brutto mehr bekommen für geleistete Überstunden, ab der 49. Stunde in einem Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen wohlgemerkt, wobei Urlaub und Krankenstand mitgerechnet werden. Wo bitte ist hier das attraktive Angebot zu sehen?
Sie wollen die Gebühren umverteilen, sozusagen nach ihrem persönlichen Gutdünken vergeben? Abgesehen davon, dass es sich bei Ambulanzgebühren um Entgelte für fachärztliche Leistungen handelt, frage ich mich allen Ernstes, wieso Sie glauben, dass Sie dadurch attraktive Perspektiven für meine Zukunft schaffen könnten.

Wo ist denn die Attraktivität einer Anstellung als Facharzt in einem gespag Spital zu sehen, wenn neben einer von Ihnen verweigerten Erhöhung des Grundgehaltes und einer mickrigen Überstundenbezahlung auch noch die Gebühren (durch Sie) neu verteilt werden sollen? Die Verteilung ebendieser Gelder wird transparent und fair durch die Ärztekammer geregelt, insofern kann ich mich nicht des starken Verdachts erwehren, dass die mediale Diskussion Ihrerseits über (stark schwankende!) Nebengebühren auch nur die überflüssige Neiddebatte über Ärztegehälter schüren soll.
Wo ist der Anreiz für einen OÖler wie mich, auch weiterhin in diesem meinem Bundesland ein Teil der medizinischen Dienstleistungsgesellschaft zu sein?
Die Loyalität zum Dienstgeber, wie sie in einer powerpoint Präsentation von uns erbeten wurde, ist kein angemessenes Argument angesichts umgekehrt fehlender Wertschätzung den Dienstnehmern gegenüber. Die ebenfalls via Printmedien ausgesprochene Drohung einer Urlaubssperre und Streichung von (gesetzlich verpflichtenden) Fortbildungen ist für mich nur mehr das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i.

Ich habe am Standort Freistadt eine ausgezeichnete Ausbildung erhalten und dafür bin ich auch dankbar. Aber angesichts der düsteren Aussichten in Bezug auf die Arbeitsbedingungen der angestellten Ärzte in OÖ bei zu erwartender weiterer Steigerung der Belastung des einzelnen Arztes werde ich mich natürlich fragen, ob es nicht Alternativen zur aktuellen Situation gibt. Und dafür mache ich in keiner Weise mein direktes Arbeitsumfeld sprich die ausgezeichnete Unfallchirurgie Freistadt verantwortlich, sondern generell die schlechter werdenden Perspektiven einer Gesundheitspolitik, die kurz vor dem Abgrund steht. Die PatientInnen in OÖ werden leider die Folgen verspüren, dies ist aber sicher nicht den täglich in den Ambulanzen und OPs arbeitenden ÄrztInnen anzulasten.
Ich bitte Sie daher, nein, ich fordere Sie höflich dazu auf, endlich wirklich marktkonforme Bedingungen zu schaffen, um mir und allen meinen KollegInnen das Dableiben leicht zu machen.

Hochachtungsvoll,
Dr. Alexander Seewald
FA in Ausbildung Unfallchirurgie
LKH Freistadt

Als Unterstützer deklariert:
Dr Michael Dolezal
FA Anästhesiologie
Klinikum Salzkammergut

Bestrafung durch Urlaubssperre?!

Der Landeshauptmann und die Krankenhausleiter wollen die Ärzteschaft durch Urlaubssperren und Verbot von Fortbildungsurlaub in die Knie zwingen. Dies ist eine neue Stufe der Eskalation, noch bevor von ärztlicher Seite etwas Schlimmes getan wurde, irgendein Patient warten musste oder eine Leistungskürzung vorgenommen wurde.

aus welchem Grund?

Der einzige Vorwurf bisher lautet, dass wir nicht bedingungslos auf die Vorstellungen des Herrn Landeshauptmannes eingehen und damit die Verfehlungen der Politik ausbügeln. Allerdings sind diese Drohungen wenig durchdacht, wie fast alle Schnellschüsse von oben. Eine Urlaubssperre würde bedeuten, dass spätestens im zweiten Halbjahr der Betrieb komplett steht, da ein gesetzlicher Anspruch besteht und irgendwann werden wir in Urlaub gehen müssen.

Künftige Medizinuniversität verbietet ihren Ärzten die Weiterbildung

Die Ansage der Krankenhausleitungen, künftig keinen Fortbildungsurlaub mehr zu genehmigen, ist überhaupt ein Schuss ins eigene Knie. Diese Meldung müsste sofort medial ausgeschlachtet werden. Es lässt sich nämlich ein wunderbares Bild zeichnen: „Künftige Medizinuniversität verbietet ihren Ärzten die Weiterbildung!“ Das ist nicht nur nicht durchdacht, sondern schlichtweg grotesk. Nach Durchsicht unserer Fortbildungsurlaube werden wir dem Landeshauptmann vorrechnen können, dass wir mindestens doppelt so viele Stunden in der Freizeit für die Weiterbildung opfern, als wir in der Arbeit fehlen.

bis das System kollabiert?

Durch diese Maßnahmen wird die Ärzteschaft noch mehr zusammen geschweißt und der Widerstand wird wachsen. Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft zu „Mehrdienstleistungen“ rapide ab. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob wir warten sollen, bis das System kollabiert, weil wir nur mehr Dienst nach Vorschrift machen, oder noch aktiv ein Schäuferl nachlegen und im Jänner Streiks ankündigen sollen.

OA Dr. Mathias Pilz ist Facharzt für Allgemeinchirurgie am AKh Linz.l