Bestrafung durch Urlaubssperre?!

Der Landeshauptmann und die Krankenhausleiter wollen die Ärzteschaft durch Urlaubssperren und Verbot von Fortbildungsurlaub in die Knie zwingen. Dies ist eine neue Stufe der Eskalation, noch bevor von ärztlicher Seite etwas Schlimmes getan wurde, irgendein Patient warten musste oder eine Leistungskürzung vorgenommen wurde.

aus welchem Grund?

Der einzige Vorwurf bisher lautet, dass wir nicht bedingungslos auf die Vorstellungen des Herrn Landeshauptmannes eingehen und damit die Verfehlungen der Politik ausbügeln. Allerdings sind diese Drohungen wenig durchdacht, wie fast alle Schnellschüsse von oben. Eine Urlaubssperre würde bedeuten, dass spätestens im zweiten Halbjahr der Betrieb komplett steht, da ein gesetzlicher Anspruch besteht und irgendwann werden wir in Urlaub gehen müssen.

Künftige Medizinuniversität verbietet ihren Ärzten die Weiterbildung

Die Ansage der Krankenhausleitungen, künftig keinen Fortbildungsurlaub mehr zu genehmigen, ist überhaupt ein Schuss ins eigene Knie. Diese Meldung müsste sofort medial ausgeschlachtet werden. Es lässt sich nämlich ein wunderbares Bild zeichnen: „Künftige Medizinuniversität verbietet ihren Ärzten die Weiterbildung!“ Das ist nicht nur nicht durchdacht, sondern schlichtweg grotesk. Nach Durchsicht unserer Fortbildungsurlaube werden wir dem Landeshauptmann vorrechnen können, dass wir mindestens doppelt so viele Stunden in der Freizeit für die Weiterbildung opfern, als wir in der Arbeit fehlen.

bis das System kollabiert?

Durch diese Maßnahmen wird die Ärzteschaft noch mehr zusammen geschweißt und der Widerstand wird wachsen. Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft zu „Mehrdienstleistungen“ rapide ab. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob wir warten sollen, bis das System kollabiert, weil wir nur mehr Dienst nach Vorschrift machen, oder noch aktiv ein Schäuferl nachlegen und im Jänner Streiks ankündigen sollen.

OA Dr. Mathias Pilz ist Facharzt für Allgemeinchirurgie am AKh Linz.l

15 Kommentare
  1. Franz Schramböck
    Franz Schramböck says:

    Ich finde es ja schon seit der sogenannten KH-Reform als ein Unikum, wenn ein Nichtmediziner, der als Politiker außer LH auch noch Landesfinanz- und Kulturreferent ist, sich hier auch noch die Gesundheitsagenden unter den Nagel gerissen hat. Das konnte nie gut gehen! Früher war eine Ärztin Gesundheits-LR. die verstand wenigstens etwas von der Materie. Jeder normale Wochen-Arbeitszeit mit 40 Stunden ist bei den Anforderungen mehr als genug. Und hier zwingt man ÄrzteInnen zu über 30 Stunden am Stück. Das ist mehr als gefährlich, sowohl für die Patienten als auch für die Mediziner! Denen ist unsere Gesundheit anvertraut und der LH spielt hier unverantwortlich mit dem Wohl der Bevölkerung und der Ärzte! Ich behaupte, soviel wie der LH von Medizin versteht, verstehe ich auch. Es ist höchste Zeit zu einem Umdenken Hr. Pühringer!

    Antworten
  2. Heinz W.
    Heinz W. says:

    Fuer das Verstaendnis der Allgemeinheit fehlen die Grundinformationen:
    – Seit wann weiss der LH von dieser EU-verordnung? Warum ist bis dato absolut nichts passiert?
    – Was verdient ein 35-jaehriger im Durchschnitt.(z.B. Handel, Gewerbe oder als akademischer Beamter?)
    – wie sah die Arbeitszeit, z.B. ein Dienst mit Nachtdinest aus? Mehr als 24 Stunden? Moechte ich dann noch von diesem Arzt behandelt warden?
    – was genau wollen die Aerzte jetzt?

    Dann wuerden Kommentare wie vom Tobias (Goetter in Weiss) – siehe oben – nicht mehr erscheinen

    Antworten
    • Arnold
      Arnold says:

      Genauso sehe ich das auch. Die EU -Richtlinie gibt es seit 2003. Der Normalbürger hat überhaupt keine Ahnung wie die Arbeit eines Arztes aussieht. Hauptsache wir „Deppen“ müssen Tag und Nacht bereit stehen und Lapalien wie Lumbago seit 6 Mo. etc. sofort behandeln. Es gehören endlich die niedergelassenen Kollegen in die Pflicht genommen, die zu 70% ab Freitag 11.30 Uhr im Wochenende sind!

      Antworten
  3. Christian
    Christian says:

    Abseits des Thema Urlaubssperre möchte ich anmerken, dass sicherlich die Ärztegehälter extrem ungleich verteilt sind. Da geht es gar nicht um eine „Neiddebatte“, sondern schlicht um Tatsache, dass innerhalb der verschiedenen Fachgruppen bzw auch abhängig vom Spital die Sonderklassegelder bzw Ambulanzgebühren sehr ungerecht verteilt werden.
    Es ist nicht nachvollziehbar, dass bei gleicher Arbeitsleistung und gleichem Einsatz die Gehälter bis um den Faktor 20 (!!) differieren. Das hängt auch nicht mit Marktwirtschaft oder Angebot und Nachfrage zusammen, sondern basiert auf einem anachronistischem System, das durchaus geändert werden soll.

    Antworten
  4. gisela
    gisela says:

    nicht aufgeben oberösterreich!!! durchhalten! aussitzen und auf den kollaps warten! die politik hat vollkommen versagt! kein arztrücken (kein angestellter!!) soll das ausbügeln!

    Antworten
  5. Tobias
    Tobias says:

    Liebe Götter in Weiß!

    Bitte kommt einfach eurem Job nach!!
    Ich habe nun gelesen, dass geplante OPs verschoben werden sollen. Das kann uch überhaupt nicht verstehen. Liebe Ärzte, ihr könnt ja auch am Nachmittag für eine OP Auslastung sorgen:
    Geht einfach nicht in eure Privat Ordis am Nachmittag, bleibt im KH und macht euren Job, dann ist das mit den OPs und den 48h gar kein Problem.

    Lg, ein Patient der kein VVerständnis für die Ärzte Polemik hat

    P.S.: dem LH ersuche ich, dass er in den Verhandlungen sich von den Jammerern und Verweigerern, die ohne jeden Grund alles blockieren wollen, nicht erweichen lässt.

    Antworten
    • joe
      joe says:

      Du hast die Problematik wohl überhaupt nicht gerafft, sonst würdest du nicht einen solchen ausgesprochenenSchwachsinn schreiben oder?

      Antworten
    • Andreas
      Andreas says:

      Danke für diese Wortmeldung. Es geht jedoch darum: Arbeiten Sie 60-100 Stunden pro Woche und stellen Sie sich vor, es geht um Menschenleben.

      Es geht also um unmenschliche Arbeitszeiten und hierorts nicht vorhandene Wertschätzung.

      Die Patienten haben das Recht auf einen ausgeschlafenen Arzt. Dies wird ihnen vom Landeshaupt – Auslaufmodell verweigert.

      Antworten
    • Dr Michael Dolezal
      Dr Michael Dolezal says:

      Kommentar eigentlich überflüssig.
      Wir tun unsere Arbeit im Rahmen des Möglichen.
      Glauben Sie wirklich, mein Arbeitgeber würde akzeptieren, mich Vollzeit zu beschäftigen und zu zahlen, wenn ich um 13Uhr in eine Ordination ginge? Da kennens unsere Arbeitgeber sehr schlecht.
      Die Arbeitszeit zu normalisieren ist unser Recht!
      Face it.
      Wir haben die Tricks des Landeshauptmannes satt bis zum Abwinken.
      Es gibt zuwenig Leute. Jede OP KANN NUR nach der anderen abgearbeitet werden. Dazu sind wir ein Team mit der Pflege. Die hat ebenso ihre Maximalarbeitszeit und das ist gut so.
      Wir sind nicht polemisch, wir sind verärgert. Zu Recht. Und wir haben kein Verständnis für Propaganda mit statistisch gelogenen Daten in der Privatpresse des Landeshauptmannes/Gesundheitsreferenten/
      Finanzreferenten in Personalunion.
      Die Primarärzte gehören übrigens überhaupt nicht in diese Diskussion, weil diese dem AZG nicht unterliegen.
      Wir haben das Desaster nicht verursacht.

      Antworten
  6. ChristianFadinger
    ChristianFadinger says:

    die verzweifelten Versuche, durch untergriffige und pseudoautoritäre Aktionen Unrecht durchzusetzen, erinnern an die agonale Schnappatmung und die ungezielten Rückenmarksreflexe eines Sterbenden…
    Ist es jetzt schon so weit, dass unser LH das zeitliche segnet?

    Antworten
  7. Dr Michael Dolezal
    Dr Michael Dolezal says:

    Die MedUni Linz ist im augenblicklichen Status ohnehin nur das bisher Mitteleuropas teuerstes Wahlplakat eines amtierenden Landeshauptmannes, nebst lukrativem Posten für Sekretariatsleitungen, aktuell im Vorstand.

    Antworten
  8. Andreas
    Andreas says:

    Wenn die Fortbildungssperre schriftlich vorliegt, kann man rechtlich dagegen vorgehen. Laut ÄG sind die Ärzte zu Fortbildung verpflichtet. Ein Dienstgeber, der Fobi verbietet, verstößt somit gegen das Ärztegesetz.

    Streiks und Pressekonferenzen zur Info der Patienten wären wirkungsvoll. Eine eigene Spartengewerkschaft nach dem Vorbild des Marburger Bunds wäre höchst begrüßenswert, um die Mißstände öffentlich zu machen.

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*