Ärzte versus Birnen

Oder: EU-Arbeitszeitrichtlinie vs. EU-Glühbirnenverbot

Neulich wollte ich im Baumarkt ein paar Baustellen-Fassungen mit Glühbirnen dazu kaufen, manchen auch unter dem Synonym „Russenlampe“ bekannt. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass es keine Glühbirnen mehr zu kaufen gibt. Waren vor kurzem noch 60-Watt-Glühbirnen im Handel erhältlich, gibt es jetzt nur noch Halogen-, LED- oder Leuchtstoff-Alternativen.

EU-Glühbirnenverbot

Das Spannende an dieser Geschichte, wenn man sie abseits der zweifelhaften „Ich will meine 100-W-Glühbirne zurück“-Protestbewegungen emotionslos betrachtet, ist, dass es sich hier im Vergleich mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie von 2003 um ein relativ junges EU-Gesetz handelt, nämlich vom 8. Dezember 2008.

Es folgte die stufenweise Abschaffung der Glühbirne:
– Im September 2009 wird zunächst der Verkauf aller matten und klaren Birnen mit 100 Watt Leistung verboten.
– Im September 2010 werden dann klare 75-Watt-Birnen, ein Jahr darauf die 60-Watt-Leuchten untersagt.
– Im September 2012 müssen die 40- und 25-Watt-Birnen vom Markt genommen sein.

…und die EU-Arbeitszeitrichtlinie?

Die EU-Arbeitszeitrichtlinie wurde am 18. November 2003 veröffentlicht. Die Umsetzung hätte bis 1. August 2004 erfolgen müssen. Nur durch eine Klage und Androhung von Strafzahlungen konnte Österreich überhaupt dazu bewegt werden, die Richtlinie mit einer Übergangsfrist bis 2021 umzusetzen.
Wenn man sieht, wie schnell die vergleichsweise harmlosen Glühbirnen aus dem Handel verschwunden sind und wie lange Österreich andererseits braucht, um ein Arbeitsschutzgesetz im Spitalsbereich (=Ärzte- und Patientenschutzgesetz) umzusetzen (18 Jahre!!!), kann man echt nur wütend werden!

Dr. Alexander Rothe ist Oberarzt im AKh Linz

1 Antwort
  1. Dr Michael Dolezal
    Dr Michael Dolezal says:

    Hallo Alex! Ein sehr gutes Argument. Es zeigt deutlich, bei welchen Themen man *sofort und unverzüglich* Handlungsbedarf sieht, im Vergleich zur üblen Diskussionskultur und Handlungsverweigerung bei uns. Du hast recht, es wurde das Problem ein Jahrzehnt lang auf eine immer längere Bank geschoben und nun meint man, es mit Zwang, Druck, kreativ interpretierten Halbwahrheiten nach dem bequemsten „Weg“der Politiker zu „lösen“. Sollten vereinzelte Berichte von deutlichem Zwang zur Unterschrift des Opt Out auch nur ansatzweise wahr sein, wäre das ein Skandal ohne Beispiel. Ich möcht ja gern glauben, es wäre nicht so. Die Frage ist, was „Verzweiflung“ der Politik und der Träger an unkontrollierten Maßnahmen hervorruft.

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*